See-Think-Do-Care-Framework

Was ist das See-Think-Do-Care-Framework?

Das See-Think-Do-Care-Framework ist ein strategisches Modell, das Zielgruppen nach ihrer aktuellen Kaufabsicht in vier Phasen einteilt: See, Think, Do und Care. Unternehmen können damit Inhalte, Werbekampagnen, Suchbegriffe und Kennzahlen passend zur jeweiligen Entscheidungsphase planen, statt jede Person unmittelbar zum Kauf aufzufordern.

Das See-Think-Do-Care-Framework beschreibt als Vierphasenmodell der Kundenansprache, welche Informationen ein Nutzer vor, während und nach einer Kaufentscheidung benötigt. Bekannt gemacht wurde der Ansatz durch den Digitalmarketing-Experten Avinash Kaushik. Im Mittelpunkt steht die Absicht des Nutzers und nicht allein sein demografisches Profil.

Das See-Think-Do-Care-Framework löst einen verbreiteten Denkfehler in der Kampagnenplanung auf: Reichweite, Produktvergleich, Kauf und Kundenbindung verfolgen unterschiedliche Ziele. Ein Ratgeber für Menschen ohne konkrete Kaufabsicht lässt sich deshalb nicht sinnvoll an Bestellungen messen. Eine Produktseite mit klarer Kaufabsicht benötigt dagegen keine maximale Reichweite, sondern qualifizierte Besuche und Abschlüsse.

Die vier Phasen des Frameworks

Das See-Think-Do-Care-Framework teilt die erreichbare Zielgruppe in vier Gruppen ein. Die Einordnung richtet sich danach, ob eine Person noch kein konkretes Interesse zeigt, über eine Lösung nachdenkt, handeln möchte oder bereits Kunde ist. Eine Person kann je nach Produkt gleichzeitig verschiedenen Phasen angehören.

PhaseAbsicht des NutzersPassende InhalteGeeignete Kennzahlen
SeeNoch keine konkrete KaufabsichtRatgeber, Videos, Grundlagen, InspirationReichweite, Impressionen, neue Nutzer
ThinkInteresse an einer Lösung oder ProduktkategorieVergleiche, Leitfäden, Fallbeispiele, ChecklistenEngagement, wiederkehrende Nutzer, qualifizierte Klicks
DoDeutliche Handlungs- oder KaufabsichtProduktseiten, Angebotsseiten, PreisübersichtenConversion-Rate, Umsatz, Kosten pro Abschluss
CareBestehende KundenbeziehungSupport, Anleitungen, Newsletter, ergänzende AngeboteWiederkaufrate, Kundenbindung, Kundenwert

See: Aufmerksamkeit und Bedarf

Die See-Phase umfasst die größte fachlich relevante Zielgruppe, auch wenn noch keine erkennbare Kaufabsicht besteht. Ein Onlineshop für E-Bikes erreicht in dieser Phase beispielsweise Menschen, die sich für nachhaltige Mobilität, Fahrradtouren oder Wege zur Arbeit interessieren. Geeignet sind Inhalte, die ein Problem erklären, Orientierung geben oder ein Thema erstmals sichtbar machen.

Think: Lösungen werden verglichen

In der Think-Phase beschäftigt sich der Nutzer mit einer Produktkategorie oder einer möglichen Lösung. Suchanfragen wie welches E-Bike für den Arbeitsweg oder E-Bike oder Fahrrad Vergleich zeigen Interesse, enthalten aber noch keine eindeutige Kaufentscheidung. Vergleichsseiten, Kaufberatungen und detaillierte Ratgeber helfen dem Nutzer, Anforderungen und Optionen einzuordnen.

Do: Eine Handlung steht bevor

Die Do-Phase umfasst Nutzer mit konkreter Handlungsabsicht. Suchanfragen mit Produktnamen, Preisen, Verfügbarkeiten oder Begriffen wie kaufen, buchen und Angebot gehören häufig in diese Phase. Produktseiten, Leistungsseiten und klare Formulare müssen jetzt die entscheidungsrelevanten Informationen ohne Umwege bereitstellen.

Care: Kundenbeziehung ausbauen

Die Care-Phase richtet sich an bestehende Kunden, besonders an Personen mit Potenzial für Wiederkäufe, Empfehlungen oder ergänzende Leistungen. Für einen E-Bike-Shop zählen dazu Wartungsanleitungen, Informationen zur Akkupflege, Zubehörberatung und Servicehinweise. Die Care-Phase endet nicht mit dem Kauf, sondern betrachtet den weiteren Kundenwert.

Ein Suchbegriff lässt sich nicht allein anhand einzelner Wörter einer Phase zuordnen. Die Anfrage E-Bike Kosten kann einen ersten Überblick oder einen konkreten Preisvergleich ausdrücken. Prüfe deshalb zusätzlich die angezeigten Suchergebnisse: Ratgeberseiten sprechen eher für Think, Produkt- und Shopseiten eher für Do.

See-Think-Do-Care und Customer Journey

Das See-Think-Do-Care-Framework wird häufig mit einer linearen Customer Journey gleichgesetzt. Der Unterschied liegt in der Perspektive: Eine Customer Journey beschreibt Kontakte und Erlebnisse einer Person entlang ihres Entscheidungswegs. Das See-Think-Do-Care-Framework segmentiert dagegen erreichbare Zielgruppen nach ihrer aktuellen Absicht.

Ein Nutzer muss die vier Phasen nicht nacheinander durchlaufen. Eine persönliche Empfehlung kann eine Person unmittelbar in die Do-Phase führen. Ein Bestandskunde kann bei einem neuen Produkt wieder zur See- oder Think-Zielgruppe gehören. Plane die Phasen deshalb als Zustände, nicht als fest vorgeschriebene Abfolge.

Content nach Suchintention planen

Das See-Think-Do-Care-Framework liefert eine belastbare Grundlage für die Planung einer zielgruppenbezogenen Content-Strategie. Jedes Thema erhält eine definierte Nutzerabsicht, ein passendes Format und eine Kennzahl. Dadurch wird erkennbar, ob im Redaktionsplan Grundlageninhalte, Vergleiche, Angebotsseiten oder Inhalte für Bestandskunden fehlen.

  • See: Welche allgemeinen Probleme, Interessen und Situationen beschäftigen die erreichbare Zielgruppe?
  • Think: Welche Lösungen, Anbieter oder Vorgehensweisen vergleicht die Zielgruppe?
  • Do: Welche Informationen benötigt die Zielgruppe unmittelbar vor einer Anfrage oder Bestellung?
  • Care: Welche Inhalte helfen bestehenden Kunden bei Nutzung, Support und Wiederkauf?

Ein Content-Gap entsteht, wenn ein Unternehmen nur einzelne Phasen abdeckt. Viele Websites besitzen zahlreiche informationsorientierte Ratgeber, aber zu wenige überzeugende Leistungsseiten. Andere Domains konzentrieren sich fast ausschließlich auf Do-Seiten und erreichen Nutzer erst dann, wenn der Wettbewerb um den Abschluss bereits hoch ist.

Relevanz für SEO, SEA und GEO

Im SEO ordnet das See-Think-Do-Care-Framework Keywords nach Suchintention und Zielseite. Informationsorientierte Suchbegriffe führen meist zu See- oder Think-Inhalten, während transaktionale Suchbegriffe häufiger Do-Seiten benötigen. Die Zuordnung verhindert, dass eine Produktseite für eine Grundlagenfrage oder ein Ratgeber für ein stark transaktionales Money-Keyword optimiert wird.

Im SEA erleichtert das See-Think-Do-Care-Framework die Trennung von Kampagnenzielen. Eine See-Kampagne kann Reichweite erzeugen, während eine Do-Kampagne konkrete Anfragen oder Bestellungen verfolgt. Der Vergleich von SEO und bezahlter Suche wird im Beitrag über die Unterschiede zwischen SEO und SEA ausführlicher erklärt.

Für GEO, also Generative Engine Optimization, erweitert das See-Think-Do-Care-Framework die Content-Planung um Fragen an KI-Systeme. Nutzer stellen ChatGPT, Perplexity, Gemini und Grok häufig ausführliche Vergleichs- und Beratungsfragen. Besonders Think-Inhalte benötigen daher klare Kriterien, nachvollziehbare Definitionen und eigenständig verständliche Antworten. Der Ratgeber zur Sichtbarkeit in ChatGPT und anderen KI-Systemen zeigt, welche Anforderungen daraus entstehen.

Erfolg je Phase messen

Messbar ist das See-Think-Do-Care-Framework, indem jede Phase vor Kampagnenbeginn ein eigenes Ziel und höchstens wenige primäre KPIs erhält. See wird beispielsweise über qualifizierte Reichweite bewertet, Think über Interaktionen und wiederkehrende Nutzer, Do über Abschlüsse und Care über Wiederkäufe oder Kundenbindung. Ein gemeinsamer KPI für alle vier Phasen verzerrt die Bewertung.

Ein einfaches Rechenbeispiel verdeutlicht die Zuordnung: Erreicht ein Do-Angebot 1.000 qualifizierte Besuche und 40 Anfragen, beträgt die Conversion-Rate 4 Prozent. Derselbe Maßstab wäre für einen See-Ratgeber ungeeignet, weil der Ratgeber keine unmittelbare Anfrage verlangt. Prüfe vor jeder Auswertung, ob KPI und Nutzerabsicht tatsächlich zusammenpassen.

Typische Fehler bei der Anwendung

Der häufigste Fehler besteht darin, jede Phase auf eine direkte Conversion auszurichten. Ein Nutzer in der See-Phase benötigt zuerst eine verständliche Einordnung seines Problems. Ein dauerhaft eingeblendetes Verkaufsangebot ersetzt diese Information nicht und kann dazu führen, dass ein grundsätzlich relevanter Besucher die Seite früh verlässt.

Ordne Inhalte nicht pauschal nach ihrem Format ein. Ein Video kann Grundlagen vermitteln, Produkte vergleichen oder eine konkrete Kaufentscheidung unterstützen. Für die Zuordnung im See-Think-Do-Care-Framework zählt die beantwortete Nutzerabsicht, nicht die Darstellungsform.

Ein weiterer Fehler ist die isolierte Planung einzelner Kanäle. Wenn SEO-Ratgeber die See- und Think-Phase abdecken, Google Ads ausschließlich Do-Suchanfragen bedienen und Bestandskunden nur E-Mails erhalten, müssen Botschaft und Zielgruppendefinition trotzdem zusammenpassen. Dokumentiere deshalb pro Phase, welche Inhalte, Suchbegriffe, Anzeigen und Zielseiten dieselbe Nutzerabsicht bedienen.

See-Think-Do-Care-Strategie 2026

Eine belastbare See-Think-Do-Care-Strategie beginnt mit vorhandenen Nutzerfragen und nicht mit geplanten Werbeformaten. Sammle Suchanfragen, Fragen aus Beratung und Support sowie Einwände aus dem Vertrieb. Ordne jede Frage anschließend einer Phase, einem Inhalt, einer Zielseite und einem messbaren Ziel zu.

  • Definiere die fachlich relevante Zielgruppe jeder Phase.
  • Ordne bestehende Inhalte nach der jeweils beantworteten Absicht.
  • Markiere fehlende Themen und ungeeignete Zielseiten.
  • Lege für jede Phase ein Hauptziel und passende KPIs fest.
  • Prüfe regelmäßig, ob Suchintention und Suchergebnisse zur Einordnung passen.

Aus unserer Projektarbeit ist besonders ein Muster relevant: Ein ausgewogener Redaktionsplan bedeutet nicht, dass jede Phase gleich viele Inhalte erhält. Umfang und Budget richten sich nach Geschäftsmodell, Nachfrage und vorhandenen Lücken. Ein beratungsintensives B2B-Angebot benötigt häufig mehr Think-Inhalte als ein bekanntes Verbrauchsprodukt mit kurzer Kaufentscheidung.

Häufige Fragen zum See-Think-Do-Care-Framework

Wer hat das See-Think-Do-Care-Framework entwickelt?

Das See-Think-Do-Care-Framework wurde vor allem durch den Digitalmarketing-Experten Avinash Kaushik bekannt. Das Modell erweitert die Betrachtung der Kaufentscheidung um eine frühe Reichweitenphase und eine Phase für bestehende Kunden.

Ist See-Think-Do-Care ein Marketing-Funnel?

Das Framework ähnelt einem Marketing-Funnel, bildet aber keine zwingend lineare Abfolge ab. Es gruppiert Zielgruppen nach ihrer aktuellen Absicht, während ein Funnel meist die Verringerung der Nutzerzahl bis zur Conversion darstellt.

Wie ordnet man Keywords den vier Phasen zu?

Keywords werden anhand ihrer Suchintention und der dazu angezeigten Suchergebnisse eingeordnet. Allgemeine Informationsfragen gehören häufig zu See, Vergleiche zu Think, konkrete Kaufanfragen zu Do und Nutzungs- oder Servicefragen bestehender Kunden zu Care.

Kann ein Nutzer mehrere Phasen gleichzeitig durchlaufen?

Ein Nutzer kann bei verschiedenen Produkten unterschiedlichen Phasen angehören. Ein bestehender Kunde befindet sich beim gekauften Produkt in Care, kann bei einer neuen Produktkategorie aber wieder in See oder Think eingeordnet werden.

Welche Phase ist für Content-Marketing am wichtigsten?

Keine Phase ist grundsätzlich wichtiger als die anderen. Die Gewichtung hängt vom Geschäftsmodell ab. Erklärungsbedürftige Angebote benötigen meist umfangreiche Think-Inhalte, während Produkte mit kurzer Entscheidungsdauer stärker von klaren Do-Seiten profitieren.

Funktioniert das Framework auch im B2B-Marketing?

Das Framework eignet sich auch für B2B-Unternehmen. Bei langen Entscheidungsprozessen umfasst die Think-Phase häufig mehrere Fachabteilungen, Vergleiche, interne Abstimmungen und Nachweise, bevor eine Anfrage der Do-Phase zugeordnet werden kann.

Du möchtest deine Inhalte und Kampagnen systematisch nach Nutzerabsicht ausrichten? Ein kostenloser Potenzialcheck ordnet vorhandene Chancen bei Google, KI-Suchen und Ads unverbindlich ein.

Kostenloser Potenzialcheck


Sie haben noch Fragen?

Kontaktieren Sie uns

Free Account erstellen


Weitere Inhalte