Symbian-OS / Symbian-Plattform

Was ist Symbian-OS / die Symbian-Plattform?

Symbian-OS / die Symbian-Plattform ist ein Betriebssystem aus den Anfangstagen der Smartphones. Es baute auf dem quelloffenen EPOC auf, das seit 1998 im Umlauf war. Ursprünglich gedacht war Symbian für PDAs und Smartphones ohne Touchscreens. Letzteres sollte dem Betriebssystem zum Verhängnis werden.

Die ersten “echten” Versionen von Symbian-OS / von der Symbian-Plattform waren seit 2008 im Umlauf. Entwickelt wurde das Betriebssystem in Zusammenarbeit von Nokia, Sony Ericsson, Motorola und NTT DoCoMo als eine erste Art direkte Reaktion auf das erste iPhone. Firmen wie BenQ, LG und sogar Samsung schlossen sich an. Heute wird Symbian allerdings fest mit Nokia verbunden. Dies liegt daran, dass sich die meisten der beteiligten Konzerne alsbald dem neuen Google OS Android zuwandten.

2012 stellte schließlich auch Nokia den Support von Symbian ein. Seit damals gilt die Plattform als Smartphone-Betriebssystem als tot. Komplett der Wahrheit entsprecht dies jedoch nicht. Nokia hat die Entwicklung und den Support von Symbian-OS / der Symbian-Plattform an seinen Dienstleister Accenture ausgelagert. Unter einer Open-Source-Lizenz ist das System öffentlich verfügbar und könnte wieder Eingang in Smartphones finden. Dies gilt insbesondere deshalb, weil das neue Nokia seit Jahresbeginn 2018 “klassische” Geräte des Hauses neu auflegt – und dabei bereits auf erste Symbian-Varianten vertraut.

Symbian-OS/ Symbian-Plattform: Der Zeit voraus und doch zu weit zurück

Symbian scheiterte aufgrund eines bemerkenswerten Problems: Einige Komponenten waren ihrer Zeit voraus. Andere hingen jedoch deutlich zu weit hinter den Konkurrenten iOS und Android zurück. Technisch ist Symbian im Prinzip ein PC-Betriebssystem. Es beherrscht beispielsweise präemptives Multitasking oder Multithreading. Programmiersprachen wie C++ oder Java lassen sich auf den Devices einsetzen.

Im Alltag hatte dies gegenüber den früheren Android- und iOS-Versionen einige Vorteile. Multitasking, die Synchronisation von Kontakt- und Kalenderdaten mit PC-Programmen oder die Arbeit mit einer ausgereiften Office-Version waren mit Symbian-OS / der Symbian-Plattform bereits fünf bis zehn Jahre möglich, bevor iOS und Android nachzogen.

Allerdings hinkte das Betriebssystem gegenüber den Konkurrenten in wesentlichen anderen Punkten hinterher. Bei den älteren Versionen wurde noch mit speziellen Plattformen für einzelne Produktgruppen gearbeitet. In Deutschland war beispielsweise die S60-Plattform die Nokia-Geräte weit verbreitet. Das machte das Programmieren für Symbian überaus kompliziert.

Zudem mangelte es dem OS lange an geeigneten Touchscreen-Funktionalitäten. Als drastisches Beispiel: Erst die S60 Plattform 5th Edition unterstützte überhaupt zum ersten Mal Touchscreens. Weite Verbreitung fand sie ab 2010 – zu diesem Zeitpunkt waren Google und Apple mit ihren Betriebssystemen bereits drei Jahre voraus.

Die als Anna und Belle bezeichneten Symbian^3-Versionen, die ab 2011 auf den Markt kamen, machten mit den unterschiedlichen Plattformen Schluss und stellten zumindest vorübergehend den Anschluss an die Marktführer wieder her. Eingeführt wurden:

  • Personalisierbare Homescreens durch Widgets und Verknüpfungen
  • Multi-Touch-Bedienungen
  • Einfache Klick-Befehle

Abgeschafft wurden zudem die dünnen Scroll-Balken, die für PC-Schirme typisch sind.

Apps: Deshalb scheiterte Symbian

Letztlich waren es die mangelnden Apps, die Symbian das Genick brachen. Rund um 2010 kam erstmals schwerwiegende Schad-Software für Mobilgeräte auf. Die Symbian-Plattform reagierte auf besondere Weise. Personen und Unternehmen, die Apps für das Betriebssystem schreiben lassen wollten, mussten sich zertifizieren lassen. Dieser Zertifizierungsprozess war anfangs kostenpflichtig. Zudem mangelte es an einem App-Store, über den die Entwickler ihre Anwendungen einer breiten Öffentlichkeit hätten zugänglich machen können.

Die Kombination aus einer kostenpflichtigen Zertifizierung, einer aufgrund der unterschiedlichen Plattformen und Benutzeroberflächen extrem schwierigen Entwicklung von Apps und einer fehlenden Verteilungsplattform waren zu viel. Erst wandten sich nur die Drittentwickler ab. Dann allerdings beschlossen auch immer mehr Konzerne hinter Symbian, dem Betriebssystem dem Rücken zu kehren.

Nokia versuchte durch die Einführung des Ovi Stores noch einmal verzweifelt, das Blatt zu wenden. Doch durch den fehlenden Support der Drittanbieter herrschte in jenem gähnende Leere. Seit dem 1. Januar 2014 konnten keine neuen Apps mehr eingestellt werden. Inzwischen ist der Store vollständig eingestellt.

Nokia selbst wandte sich bereits 2012 offiziell vom Symbian-OS / der Symbian-Plattform ab und der Windows-Plattform zu. Das letzte bekannte Smartphone, das immerhin noch auf das alte Betriebssystem als Basis setzte, war das 2014 veröffentlichte SH-07F von Sharp, das allerdings nur im asiatischen Raum vertrieben wurde. “Nokia Belle” (Symbian 10.1) war das letzte vollwertige Betriebssystem der Familie – es wurde 2012 veröffentlicht.

Eine Wiederauferstehung?

Möglicherweise kann die Symbian OS / die Symbian-Plattform in Zukunft wiederauferstehen und zur Basis von sehr günstigen Android-Betriebssystemen werden. Beispielsweise das neu aufgelegte Nokia 8110, das als “Bananen-Phone” bekannt ist, nutzt eine Android-Version, die mit Symbian verschmolzen ist. Auf diese Weise können trotz der günstigen Android-Version hochwertige Office-Programme auf dem Gerät laufen.

Teile des Symbian-OS / der Symbian-Plattform wurden zudem der App-Entwicklung übergeben. Der Symbian-Browser, der zu seiner Zeit weithin als einer der besten mobilen Browser galt, soll beispielsweise wieder zurückkehren. Die Neuausrichtung von Symbian, die federführend vom neuen Nokia verordnet wurde, sieht den folgenden Plan vor: Die Teile des alten Betriebssystems, die schon früher gut und ihrer Zeit voraus waren, sollen im Zusammenspiel mit Android zurückkehren. Auf diese Weise sollen sehr günstige und zugleich leistungsstarke Smartphone im Retro-Look erscheinen. Den Kampf um die High-End-Sparte hat man dagegen aufgegeben.


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