Over-the-Top (OTT)

Was ist Over-the-Top (OTT)?

Over-the-Top (OTT) bezeichnet die Übertragung von Video-, Audio- oder Kommunikationsinhalten über das Internet, ohne dass ein klassischer Kabel-, Satelliten- oder Rundfunkanbieter den Verbreitungsweg kontrolliert. Typische OTT-Angebote sind Streamingdienste, Mediatheken und internetbasierte TV-Plattformen. Für Werbetreibende eröffnet OTT datenbasierte Videoanzeigen auf verschiedenen Endgeräten.

Over-the-Top (OTT) beschreibt einen internetbasierten Vertriebsweg für Medieninhalte. Der englische Begriff bedeutet sinngemäß, dass Inhalte über die Infrastruktur eines Netzbetreibers hinweg direkt vom Anbieter zum Nutzer gelangen. Der Internetzugang stellt dabei nur die technische Verbindung bereit. Auswahl, Abrechnung und Auslieferung der Inhalte übernimmt der OTT-Dienst.

Wie funktioniert Over-the-Top?

Over-the-Top (OTT) nutzt Internetprotokolle, um Inhalte auf Smart-TVs, Streaming-Sticks, Smartphones, Tablets oder Computern bereitzustellen. Der Nutzer ruft einen Inhalt über eine App oder Website ab. Der Anbieter überträgt anschließend einzelne Datenpakete und passt die Qualität häufig automatisch an die verfügbare Bandbreite an.

Die technische Übertragung unterscheidet OTT vom klassischen Rundfunk. Beim linearen Fernsehen sehen alle Zuschauer eines Senders grundsätzlich dasselbe Programm zur gleichen Zeit. Ein OTT-Dienst kann dagegen für jeden Nutzer einen eigenen Datenstrom bereitstellen. Dadurch werden zeitversetztes Fernsehen, individuelle Empfehlungen und zielgruppenbezogene Werbung möglich.

  • Video-on-Demand: Der Nutzer wählt einzelne Filme, Serien oder Sendungen aus.
  • Live-Streaming: Ein Ereignis wird über das Internet in Echtzeit übertragen.
  • Audio-Streaming: Musik, Podcasts oder Radiosendungen werden internetbasiert ausgeliefert.
  • Internetkommunikation: Sprach- und Videotelefonie laufen unabhängig von klassischen Telefoniediensten über das Internet.

Geschäftsmodelle bei OTT-Diensten

Over-the-Top-Angebote unterscheiden sich vor allem durch ihre Finanzierung. Für das Marketing ist diese Einteilung relevant, weil nur werbefinanzierte Modelle regulär Werbeinventar anbieten. Ein kostenpflichtiges Abonnement kann zwar ebenfalls Anzeigen enthalten, die konkrete Vermarktung hängt jedoch vom jeweiligen Anbieter und Tarif ab.

ModellFunktionsweiseWerbung
SVODRegelmäßige Gebühr für den Zugang zu einer MediathekJe nach Tarif werbefrei oder mit reduzierter Werbung
AVODKostenloser oder vergünstigter Zugang, finanziert durch AnzeigenWerbung vor, während oder nach dem Inhalt
TVODEinmalige Zahlung für einen einzelnen InhaltMeist keine oder nur begrenzte Werbung
FASTKostenlose, werbefinanzierte lineare StreamingkanäleWerbeunterbrechungen ähnlich dem klassischen Fernsehen

FAST steht für Free Ad-Supported Streaming Television. FAST-Angebote verbinden einen festen Programmablauf mit der internetbasierten Übertragung. Der Zuschauer wählt dabei einen Kanal statt eines einzelnen Videos aus, während die Werbeauslieferung technisch über eine Streamingplattform erfolgt.

OTT-Werbung im SEA 2026

OTT-Werbung gehört zur bezahlten digitalen Medienwerbung, ist aber kein klassisches SEA im engeren Sinn. SEA erreicht Nutzer, nachdem diese eine Suchanfrage gestellt haben. Over-the-Top (OTT) erreicht Zuschauer während des Medienkonsums anhand von Merkmalen wie Region, Gerät, Inhalt oder Zielgruppensegment. Die Kontakte entstehen deshalb früher oder an einer anderen Stelle der Customer Journey.

Eine gemeinsame Planung mit Google-Ads-Kampagnen ist sinnvoll, wenn eine OTT-Kampagne Markeninteresse erzeugt. Nutzer können nach einem Werbekontakt den Unternehmensnamen oder das beworbene Produkt bei Google suchen. Suchkampagnen müssen diese Nachfrage auffangen, während sauber getrennte Kampagnen zeigen, wie sich Markenanfragen, Klickkosten und Conversions entwickeln.

Over-the-Top-Kampagnen können außerdem mit Paid-Social-Maßnahmen abgestimmt werden. OTT liefert Bewegtbildkontakte auf großen Bildschirmen, während Social Ads denselben Nutzer später auf dem Smartphone erreichen können. Eine einheitliche Botschaft und abgestimmte Zielgruppen reduzieren widersprüchliche Werbekontakte.

OTT-Werbung und SEA beantworten unterschiedliche Nutzungssituationen. OTT erzeugt Aufmerksamkeit während des Medienkonsums. Suchanzeigen reagieren auf eine konkrete Suchanfrage. Vergleiche deshalb nicht nur direkte Klicks, sondern prüfe auch Markenanfragen, unterstützte Conversions und regionale Veränderungen während des Kampagnenzeitraums.

So misst du OTT-Kampagnen

Messbar ist Over-the-Top-Werbung über Reichweite, Impressionen, Frequenz, Videoabschlüsse, Kosten und nachgelagerte Conversions. Ein direkter Klick ist bei einer Anzeige auf dem Fernseher selten die wichtigste Handlung. QR-Codes, kurze Kampagnen-URLs, regionale Tests und Veränderungen bei markenbezogenen Suchanfragen liefern deshalb zusätzliche Anhaltspunkte.

Der Tausenderkontaktpreis, kurz CPM, berechnet die Kosten je 1.000 Einblendungen. Die Formel lautet: Werbekosten geteilt durch Impressionen, multipliziert mit 1.000. Eine Kampagne mit 6.000 Euro Kosten und 1.500.000 Impressionen erreicht einen CPM von 4 Euro. Der CPM bewertet den Einkaufspreis, sagt allein aber nichts über die Aufmerksamkeit oder den Geschäftserfolg aus.

Die Video Completion Rate setzt vollständig abgespielte Videos ins Verhältnis zu den zugrunde gelegten Videoaufrufen oder Starts. Bei 72.000 vollständig abgespielten Videos und 90.000 gestarteten Videos beträgt die Rate 80 Prozent. Vor einem Vergleich musst du den Nenner prüfen, da Plattformen einen Aufruf, einen Start und eine Impression unterschiedlich definieren können.

  • Reichweite: Anzahl der erreichten Personen oder Haushalte innerhalb der Plattformmessung.
  • Frequenz: Durchschnittliche Zahl der Einblendungen je erreichter Person oder Haushalt.
  • CPV: Werbekosten geteilt durch die Zahl der nach Plattformregel gewerteten Videoaufrufe.
  • Conversion Rate: Anteil der messbaren Nutzer, die nach dem Kontakt eine definierte Handlung ausführen.

Für die wirtschaftliche Einordnung sollte der ROI im Online-Marketing kanalübergreifend betrachtet werden. Ein OTT-Kontakt kann eine spätere Suche, einen direkten Websitebesuch oder einen Kauf über ein anderes Gerät auslösen. Eine reine Last-Click-Auswertung ordnet diesen Wert häufig dem letzten messbaren Kanal zu.

OTT, CTV und Addressable TV

Der Unterschied zwischen OTT und Connected TV liegt in der Betrachtungsebene. Over-the-Top (OTT) bezeichnet den Übertragungsweg über das Internet. Connected TV, kurz CTV, bezeichnet ein internetfähiges Fernsehgerät oder ein über Streaming-Stick, Spielekonsole oder Set-Top-Box verbundenes TV-Gerät. Ein OTT-Video kann auf einem CTV, aber auch auf einem Smartphone abgespielt werden.

Addressable TV bezeichnet die zielgruppenbezogene Ausspielung unterschiedlicher Werbung innerhalb eines Fernsehangebots. Addressable TV kann sowohl bei internetbasierten Angeboten als auch in technisch erweiterten linearen TV-Umgebungen eingesetzt werden. OTT und Addressable TV überschneiden sich deshalb, sind jedoch keine Synonyme.

IPTV wird meist über ein kontrolliertes Netz eines Telekommunikationsanbieters bereitgestellt. Over-the-Top (OTT) nutzt dagegen den gewöhnlichen Internetzugang und ist nicht an ein bestimmtes Zugangsnetz gebunden. Für den Zuschauer können beide Angebote ähnlich aussehen, technisch und vertraglich unterscheiden sich die Verbreitungsmodelle jedoch.

Typische Fehler bei OTT-Werbung

Ein häufiger Messfehler entsteht, wenn OTT ausschließlich nach direkten Klicks beurteilt wird. Fernsehwerbung führt häufig zu einer späteren Handlung auf einem zweiten Gerät. Lege vor Kampagnenbeginn fest, ob Reichweite, abgeschlossene Videoaufrufe, Markenanfragen, Ladenbesuche, Leads oder Verkäufe bewertet werden sollen.

Eine hohe Frequenz ist ebenfalls nicht automatisch positiv. Wenn wenige Haushalte dieselbe Anzeige sehr oft sehen, steigen die Impressionen, ohne dass zusätzliche Reichweite entsteht. Prüfe deshalb Reichweite und Frequenz gemeinsam und begrenze Wiederholungen entsprechend der Kampagnendauer und Zielsetzung.

OTT-Kampagnen benötigen zudem Creatives, die zur Nutzungssituation passen. Eine Fernsehwerbung kann meist nicht wie eine klickorientierte Suchanzeige behandelt werden. Marke, Angebot und nächste Handlung müssen im Video erkennbar sein, auch wenn der Zuschauer den Bildschirm nicht direkt anklicken kann.

Häufige Fragen zu Over-the-Top

Was bedeutet OTT beim Fernsehen?

OTT bedeutet, dass Fernsehinhalte über das Internet statt über einen klassischen Kabel-, Satelliten- oder Rundfunkweg übertragen werden. Der Zuschauer ruft die Inhalte über eine App, Website oder Streamingplattform ab.

Ist Streaming dasselbe wie OTT?

Streaming beschreibt die laufende Übertragung und Wiedergabe von Daten. OTT bezeichnet den Vertriebsweg über das offene Internet. Viele OTT-Dienste verwenden Streaming, aber Streaming kann auch innerhalb geschlossener Netze eingesetzt werden.

Was ist der Unterschied zwischen OTT und Connected TV?

OTT bezeichnet die internetbasierte Übertragung von Inhalten. Connected TV bezeichnet das Gerät, auf dem solche Inhalte angesehen werden. OTT kann deshalb auf einem Connected TV, Smartphone, Tablet oder Computer stattfinden.

Kann man über OTT Werbung schalten?

Werbung ist auf OTT-Plattformen möglich, wenn der Dienst werbefinanzierte Inhalte oder entsprechende Tarife anbietet. Die Buchung kann direkt beim Vermarkter oder automatisiert über eine Werbeplattform erfolgen.

Ist OTT-Werbung Teil von SEA?

OTT-Werbung ist bezahlte Online-Werbung, zählt aber nicht zur Suchmaschinenwerbung im engeren Sinn. SEA reagiert auf Suchanfragen, während OTT Anzeigen während des Video- oder Fernsehkonsums ausliefert.

Welche Kennzahlen sind bei OTT-Kampagnen wichtig?

Zu den zentralen Kennzahlen gehören Reichweite, Impressionen, Frequenz, CPM, Video Completion Rate und nachgelagerte Conversions. Welche Kennzahl Vorrang hat, richtet sich nach dem festgelegten Kampagnenziel.

Wenn du OTT-Werbung mit Suchkampagnen verzahnen und die Wirkung über mehrere Kanäle bewerten möchtest, kann ein unverbindlicher Potenzialcheck die passende Messstruktur klären.

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