WebDAV

Was ist WebDAV?

WebDAV ist ein Netzwerkprotokoll für den Zugriff auf Dateien in einem Netzwerk. Anders als vergleichbare Dienste erweitert es das Web-Standardprotokoll HTTP, anstatt ein komplett neues System zu bilden. Dadurch lässt es sich leicht implementieren und einrichten, sodass es in vielen Servern sowie Dateimanagern und ähnlichen Programmen enthalten ist.

Das WebDAV-Protokoll

WebDAV steht für “Web Distributed Authoring and Versioning”, was sich in etwa mit “Verteile Erstellung und Versionierung über das Web” übersetzen lässt. Das Protokoll ermöglicht das Verschieben, Kopieren und Löschen sowie das Herunter- und Heraufladen von Dateien und Verzeichnissen im Netzwerk. Darüber hinaus lassen sich Dateieigenschaften wie Autor, Version, Änderungsdatum und viele weitere Informationen abfragen und verwalten.

In seinen akademischen Anfangstagen war das World Wide Web ohnehin auf eine gemeinschaftliche Bearbeitung ausgelegt. Daher enthält HTTP bis heute Methoden für das Erstellen und Löschen von Webinhalten, die heute kaum noch genutzt werden. Was noch fehlte, waren Versionskontrolle und Dateiverwaltung. Zu diesem Zweck entwickelte eine Arbeitsgruppe der Internet Engineering Task Force (IETF) ab 1996 das WebDAV-Protokoll. Obwohl es nach heutigem Standard nur rudimentäre Funktionen liefert, ist es wegen seiner Einfachheit auf vielen Systemen verfügbar.

WebDAV als HTTP-Erweiterung zu entwickeln, hatte den Vorteil, dass die grundlegenden Operationen für Datei- und Informationsaustausch bereits vorhanden waren. HTTP-Methoden wie GET und POST bilden die Grundfunktionen des World Wide Web und sind weitverbreitet im Einsatz. Ebenso existiert mit den HTTP-URLs ein zuverlässiges und gut ausgebautes System für die Lokalisierung unterschiedlicher Ressourcen. Für den Zugriff hat das Protokoll ein neues URL-Schema eingeführt. WebDAV-Speicher lassen sich sowohl über dav:// und davs:// als auch per http:// und https:// ansprechen.

Dateien und Dateieigenschaften

Zwei Begriffe spielen in der WebDAV-Spezifikation eine zentrale Rolle: Collections und Properties. Abstrakt formuliert ist eine Collection eine Sammlung zusammengehöriger Ressourcen. Obwohl der Standard keine Vorgaben macht, wie die Ressourcen zu speichern sind, entsprechen Collections in der Praxis den Dateisystem-Ordnern. Alternativ lassen sich auch Datenbanken für das Speichern und Organisieren der Dateien verwenden.

Properties sind die Datei- und Ordnereigenschaften. Das Protokoll definiert verschiedene Standardattribute wie Autor, Erstellungs- und Änderungsdatum sowie Inhaltstyp und Dateigröße. Darüber hinaus lassen sich beliebige weitere Eigenschaften hinzufügen. Sowohl für das Speichern als auch für die Übertragung der Eigenschaften nutzt WebDAV die Auszeichnungssprache XML.

WebDAVs HTTP-Methoden

Das Protokoll erweitert HTTP um Methoden für die Dateiverwaltung. Beispielsweise lassen sich mit den Operationen COPY und MOVE Ressourcen wie Dateien und Verzeichnisse von Rechner zu Rechner kopieren und verschieben. Im Einzelnen definiert es folgende zusätzliche Methoden:

  • COPY: kopiert eine Ressource von der Quell-URL zur Ziel-URL
  • MOVE: verschiebt eine Ressource von der Quell-URL zur Ziel-URL
  • MKCOL: erstellt eine Collection beziehungsweise ein Verzeichnis
  • PROPFIND: fragt die Eigenschaften einer Ressource ab
  • PROPPATCH: ändert die Eigenschaften einer Ressource
  • LOCK: schützt eine Ressource vor Schreibzugriffen
  • UNLOCK: hebt den Schreibschutz wieder auf

Einsatzbereiche und Alternativen

Ein weiterer Vorteil der HTTP-Grundlage ist die einfache Einrichtung. WebDAV nutzt, ebenso wie HTTP, den Netzwerk-Port 80, der auch in Firmennetzwerken selten durch die Firewall blockiert ist. Das sicherheitskritische Öffnen zusätzlicher Ports und die Einrichtung von Portweiterleitungen ist in den meisten Fällen unnötig. Für alle großen Betriebssysteme existieren eigenständige Server- und Client-Anwendungen und für alle wichtigen Webserver stehen entsprechend Module zur Verfügung.

Daher lassen sich WebDAV-Speicher gut in firmeninternen Netzwerken und Universitäten einsetzen, um das gemeinschaftliche Bearbeiten von Projekten zu realisieren. Viele Cloudspeicher-Dienste bieten einen Zugriff per WebDAV an und auch im Heimnetzwerk ermöglicht es einen leichten Datenaustausch zwischen PCs, Smartphones und dergleichen.

Der größte Nachteil des Protokolls liegt darin, dass sich Dateien nur im Ganzen übertragen lassen. Gerade bei großen Dateien wie Videos ist das ein Problem. Das Betrachten eines entfernt gespeicherten Films erfordert den Download der kompletten Datei. Als Alternative bieten sich Netzwerkprotokolle wie [link=https://www.onlinesolutionsgroup.de/blog/glossar/f/file-transfer-protocol-ftp]FTP[/link], SFTP, SSHFS und Windows-Freigaben per SMB oder Samba an, die alle den partiellen Dateizugriff unterstützen. Für gemeinschaftliche Projekte eignen sich Webanwendungen wie MediaWiki besser, da WebDAV nur rudimentäre Funktionen für die Zusammenarbeit anbietet.


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