Pascal

Was ist Pascal?

Anfang der 1970er Jahre wurde die imperative Programmiersprache Pascal entwickelt und ist damit eine der ältesten Programmiersprachen. Der Schweizer Informatiker Niklaus Wirth konzipierte sie, um Studierenden in ihrer Programmierausbildung einen einfachen Zugang für das erste Schreiben von Codes zu ermöglichen. Die Programmiersprache, dessen Namensgeber der französische Mathematiker Blaise Pascal ist, eignet sich durch seine Anwendbarkeit gut als Lehrsprache, um das strukturierte Programmieren zu erlernen. Dabei handelt es sich um eine kompilierende Sprache, die durch einen Compiler für die Maschinen übersetzt werden muss. Entsprechende Compiler sind für alle bekannten Plattformen vorhanden. Im Gegensatz zu problemspezifischen Sprachen eignet sich Pascal viel mehr für die Lösung allgemeiner Probleme. Es können somit sowohl kaufmännische als mathematische Probleme gelöst werden, der Haupteinsatz findet jedoch im naturwissenschaftlich-technischen Bereich statt.

Besonders für Anfänger geeignet

Erstmals wurde die Sprache 1972 in Programmierkursen der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich gelehrt. Für diese Zeit unüblich, gab es für diese Programmiersprache ausführliche Handbücher, die spezielle Anleitungen und Übungen enthielten und so die Arbeit damit vereinfachten. Dadurch, dass Pascal in seiner Syntax an die englische Grammatik angelehnt wurde, ist die Lesbarkeit für Einsteiger besonders gut. Außerdem ermöglicht die Syntax einen besonders verständlichen Problembezug. Zum Verständnis der einzelnen Befehle sind Englischkenntnisse zwar von Vorteil, aber nicht zwingend notwendig. Durch die Verwendung in der Lehre wird das algorithmische Denken nachhaltig geschult und Hemmschwellen für weitaus kompliziertere Programmiersprachen können abgebaut werden. Die Struktur der Sprache ist logisch, aber auch starr und weitgehend unflexibel. Dies bedeutet jedoch gleichzeitig, dass die Codes der Sprache sich in der Regel besonders gut und zuverlässig überprüfen lässt, sodass sie auch heute noch an vielen Universitäten als grundlegende Einsteigersprache gelehrt wird.

Verlust von wirtschaftlicher Bedeutung

In seinen erfolgreichsten Zeiten wurde Pascal vor allem in sicherheitskritischen Bereichen eingesetzt, wie zum Beispiel in der Medizin- und Verkehrstechnik, im Militär oder auch in der Raumfahrt. Durch zahlreiche Weiterentwicklungen und das Aufkommen neuer, flexiblerer Programmiersprachen hat die wirtschaftliche Bedeutung in den vergangenen Jahren stetig abgenommen. In universitären Kontexten und im Bereich der Hobby-Programmierer ist sie weiterhin stark verbreitet.

Besonderheiten

Wirth arbeitete vor seiner Entwicklung von Pascal mit Algol-68, welche im Grunde genommen als Urvater aller Programmiersprachen gilt. So hatte er bereits einen guten Einblick in die Tiefen des Programmierens und erkannte die Schwächen von Algol. Mit seiner Arbeit an einer eigenen Programmiersprache, die gewissermaßen als Gegenentwurf zu Algol anzusehen ist, konnte Wirth neue Standards im Programmieren setzen.

Eine Besonderheit ist die bereits erwähnte gute Lesbarkeit von Pascalprogrammen. Charakteristisch ist außerdem das Konzept, Prozeduren und Funktionen zu verschachteln. Dementsprechend können im Deklarationsteil einer Prozedur oder Funktion weitere Prozeduren oder Funktionen definiert werden, die von außerhalb nicht sichtbar sind. Des Weiteren ist eine Besonderheit von Pascal die Einführung des Typkonzepts. Dieses macht es möglich, eigene Typen zu definieren, zum Beispiel durch das Zusammenfassen der bereits vorhandenen Typen. Ein weiteres bedeutsames Merkmal sind die verbesserten Zeichenkettenfunktionen, die es zum Beispiel ermöglichen, Operationen wie die Stringverkettung deutlich effizienter durchführen zu können. Ein wichtiger Vorteil gegenüber anderer Sprachen (zum Beispiel Basic oder FORTRAN) ist die Möglichkeit, mit dynamischen Daten zu arbeiten, also Daten, die sich während des Programmablaufs in Anzahl und Aufbau verändern.

Implemetierungen

Wirths Programmiersprache war also ein Vorreiter in vielen Dingen. Verbreitung fand die Sprache vor allem durch die Produkte Turbo Pascal und Borland Pascal der Firma Borland. Diese sind gekennzeichnet durch starke Erweiterungen des ursprünglichen Standards, wie zum Beispiel die Ergänzung der Laufzeitbibliothek um Routinen (Unterprogramme), um Zugriff auf das System zu ermöglichen. Neuere Versionen gestatten zudem das objektorientierte Programmieren. Freie Implementierungen sind beispielsweise Free Pascal oder Virtual Pascal, die zum Teil auch heute noch weiterentwickelt werden und frei zugänglich sind. Als Weiterentwicklungen gelten beispielsweise die Programmiersprachen Modula-2, Ada und Delphi.


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