COBOL

Was ist COBOL?

Bei COBOL (Common Business Oriented Language) handelt es sich um eine Programmiersprache, die in den Anfangszeiten der modernen Computergeschichte entstand. Die Programmiersprache wurde Anfang der 1960er-Jahre der breiten Öffentlichkeit vorgestellt und wird in manchen Branchen heute noch erfolgreich verwendet. Die Syntax sowie das gesamte Konzept dieser Computersprache ist stark an die natürliche Sprache angelehnt und wird in erster Linie für die Entwicklung sogenannter “Business-Anwendungen” eingesetzt.

Entwicklungsgeschichte

In der zweiten Hälfte der 1950er Jahre wurden Computer und computerähnliche Geräte zunehmend auch außerhalb akademischer Einrichtungen eingesetzt. Insbesondere etablierte betriebswirtschaftliche Unternehmen erkannten bereits früh das gigantische Potenzial und die zahlreichen Möglichkeiten leistungsstarker Computer, von denen ihre eigenen Geschäftsprozesse immens profitieren würden. Aus diesem Wusch heraus wurde Ende der 1950er-Jahre COBOL entwickelt. Das Ziel war es, eine hardware unabhängige und problemorientierte Programmiersprache für die Entwicklung von Computerprogrammen für den betriebswirtschaftlichen Sektor zu haben. Die Anforderungen von Business-Programmen unterscheiden sich im Grundkonzept von denen der wissenschaftlichen Anwendung.

Business orientierte Computerprogramme müssen primär gigantische Datenmengen verarbeiten, während technisch-wissenschaftliche Anwendungen in der Lage sein müssen, komplexe Berechnungen parallel ausführen zu können. Im Jahr 1956 wurde vom US-Verteidigungsministerium eine Arbeitsgruppe zusammengestellt, die von der US-Informatikerin Grace M. Hopper geleitet und mit der Entwicklung einer neuen Programmiersprache beauftragt wurde. COBOL wurde 1960 der breiten Öffentlichkeit vorgestellt und fand schnell den Weg in die zivile Nutzung. Die Programmiersprache wird heute noch erfolgreich eingesetzt und gilt als die am meisten genutzte Programmiersprache für kaufmännische Anwendungen.

Sprachsyntax

Computerprogramme wurden in COBOL ursprünglich ausschließlich in Großbuchstaben geschrieben. Dies ist auf die Tatsache zurückzuführen, dass in den Anfangsjahren lediglich Lochkarten und Zeilendrucker eingesetzt wurden, die nicht in der Lage waren, Kleinbuchstaben zu verarbeiten. Auch heute noch wird im Gegensatz zu vielen anderen Programmiersprachen kein Unterschied zwischen Groß- und Kleinschreibung gemacht. COBOL gehört somit zu den case-insentiviten Programmiersprachen. Ein COBOL-Programm setzt sich aus drei Teilen zusammen, und zwar:

  • Division
  • Section
  • Paragraph

Dabei wird stets eine strikte Trennung von prozeduralen Anweisungen und Datendeklarationen eingehalten, durch die sich die Programmiersprache auszeichnet. Im Prozedurteil können ausschließlich Variablen abgerufen werden, die bereits im Datenteil explizit deklariert wurden.

Kodierung

Die Programmiersprache wurde in einer Zeit entwickelt, als Daten und Programme ausschließlich mit Lochkarten in Computer eingelesen wurden. In den 1950er und den frühen 1960er-Jahren standen keine anderen Eingabemethoden zur Verfügung. Deshalb kam bei COBOL bis 2002 eine viel strukturiertere Schreibweise zum Einsatz, als es bei anderen Sprachen der Fall ist. Eine typische Programmzeile setzt sich aus rund 80 Zeichen zusammen, was der Kapazität einer Lochkarte entsprach. Die ersten sechs Spalten sind für die Zeilennummerierung vorgesehen. Spalte 8 bis 11 (A-Bereich) sind für Überschriften und Zeilennummerierung reserviert, während der eigentliche Computer-Code erst ab dem 12. Zeichen einer Zeile beginnt.

COBOL-Programme mussten zuerst auf speziellen Kodierungsformularen mühsam mit Bleistift formuliert werden, bevor sie in das eigentliche System eingetragen wurden. Im Gegensatz zu anderen Programmiersprachen wie C oder C++, folgt COBOL einem zeilenorientierten Konzept, sodass Befehle nicht einfach hintereinander geschrieben werden können. Obwohl sich mit dem GOTO-Befehl, wie bei anderen prozeduralen Sprachen, andere Stellen im Programmcode aufrufen lassen, führt diese Vorgehensweise bei größeren Programmen dazu, dass sich der Programmablauf schwer nachvollziehen lässt.

Aktueller Stand

Der Opa unter den Programmiersprachen hat im modernen Informationszeitalter immer noch seine Daseinsberechtigung. Insbesondere wegen seines Einsatzes in Wirtschaft und Verwaltung gibt es COBOL-Anwendungen, die heute noch aktiv verwendet werden. Die Erklärung hierfür ist einfach: Die Umstellung etablierter IT-Anwendungen, die schon seit Jahrzehnten im Einsatz sind, ist mit großen Kosten und großem Aufwand verbunden und in vielen Fällen sind älteren Codebasen so schlecht dokumentiert, dass eine Modernisierung nahezu unmöglich ist.

Die Programmiersprache wurde im Laufe der Jahre kontinuierlich weiterentwickelt, sodass aktuelle Versionen Entwicklern zahlreiche neue Funktionen und Features bieten. In den 2000er-Jahren kam es zu umfangreichen Aktualisierungen. So wurde Ende 2007 der kostenlose Compiler OpenCobol veröffentlicht, der unterschiedliche Funktionen und Varianten vieler kommerzieller und einiger proprietärer Compiler in sich vereint und heute unter dem Namen GnuCOBOL weiterentwickelt wird.


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