Procmail

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Procmail ist ein E-Mail-Filter, welcher unter Linux und weiteren unixoiden Betriebssystemen eingesetzt wird. Es ist in der Lage, gemĂ€ĂŸ voreingestellten Filterregeln fĂŒr den jeweiligen Benutzeraccount eingehende E-Mails weiterzuleiten, zu löschen, automatisch zu beantworten (Autoresponder-Funktion) oder einfach nur in der Inbox zuzustellen. Des Weiteren kann man zugestellte Mails in Ordner einsortieren. Außerdem kann Procmail mit einem Spamfilter wie z. B. SpamAssassin Junkmails erkennen und diese entsprechend behandeln (also löschen oder in einen Spamordner verschieben – je nach Konfiguration).

Procmail zĂ€hlt zu den Mail Delivery Agents (MDA). Diese werden wiederum von einem Mail Transfer Agent (MTA) aufgerufen – dies kann unter Unix oder Linux z. B. Sendmail oder Postfix sein.

Rezepte fĂŒr die E-Mail-Verarbeitung

Die Filterregeln, nach denen Procmail den E-Mail-Eingang bearbeitet, heißen Recipes (engl. Rezept). Ein Recipe legt eine oder mehrere Bedingungen fest; sobald diese erfĂŒllt sind, wird eine Aktion ausgefĂŒhrt. Ein solches Recipe kann allgemeinverstĂ€ndlich z. B. wie folgt lauten: “Ist der Absender abc@xyz.com, dann lösche dieses E-Mail.” Neben dem Mailabsender kann man E-Mails nach vielen weiteren Kriterien filtern. Dies sind u. a.:

  • Betreffzeile (oder Teile davon)
  • E-Mail-EmpfĂ€nger
  • E-Mail-Inhalt (oder bestimmte Abschnitte oder Zeilen)
  • Zugehörigkeit zu festgelegten Mailinglisten

.procmailrc – die Datei, die alles regelt

SĂ€mtliche Filterregeln eines E-Mail-Useraccounts werden in der Datei .procmailrc gespeichert. Diese befindet sich im Homeverzeichnis des Benutzers. Aus SicherheitsgrĂŒnden darf die Datei .procmailrc keine Schreibrechte fĂŒr andere User oder Groups enthalten, da die Datei ansonsten dazu missbraucht werden könnte, E-Mails von fremden Usern abzufangen und umzuleiten. Deshalb wird die Datei .procmailrc vom Programm abgelehnt, sollte sie falsche Berechtigungen enthalten.

Beispiele fĂŒr verschiedene AnwendungsfĂ€lle

Ein einfaches Beispiel fĂŒr ein Recipe in der .procmailrc kann wie folgt aussehen:


:0
* ^From.*@gmail.com
! abc@hijk.org

Hier werden alle E-Mails an abc@hijk.org weitergeleitet, wenn die Absenderadresse “@gmail.com” enthĂ€lt. Mit “:0” wird eine Filterregel eingeleitet. Das Ausrufezeichen steht fĂŒr die Anweisung “E-Mail weiterleiten an…”. Hier gilt es darauf zu achten, dass als EmpfĂ€nger nicht versehentlich die eigene Mailadresse eingesetzt wird, da diese sonst in einer Endlosschleife landet, sich somit selbst vervielfĂ€ltigt und der Mail-Eingang des Users binnen kĂŒrzester Zeit ĂŒberfĂŒllt wĂŒrde.

Ein weiteres Beispiel:


:0
* ^TO.*redaktion@verlag.com
{
:0c
! redakteur1@verlag.com
:0c
! redakteur2@verlag.com
:0
! chefredakteur@verlag.com
}

Dies ist ein typischer Fall, wie mit Procmail ein E-Mail-Verteiler eingerichtet wird: Alle E-Mails, die fĂŒr redaktion@verlag.com eingehen, werden hier an drei Redakteure weitergeleitet. In diesem Fall werden drei Aktionen in geschweiften Klammern zusammengefasst – Ă€hnlich wie in vielen Programmiersprachen. :0c bedeutet hier, dass eine Kopie der Nachricht erzeugt wird, wobei die Regel auf die Kopie der E-Mail angewendet wird. Das Original-E-Mail wird an chefredakteur@verlag.com zugestellt.

Dies ist nur ein winziger Auszug aus der Funktionsvielfalt des mĂ€chtigen Tools Procmail. Eine ausfĂŒhrliche Dokumentation zu Procmail findet man u. a. in den Manpages von Ubuntu.

Tipp

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