WCAG (Web Content Accessibility Guidelines)

Das Internet ist eine wichtige Informationsquelle und diese soll f├╝r jeden ohne Einschr├Ąnkungen zur Verf├╝gung stehen. Aus diesem Grund hat das W3C (World Wide Web Consortium) eine besondere Initiative mit dem Namen WAI (Web Accessibility Initiative) ins Leben gerufen. Im Rahmen dieser Initiative arbeitete man Richtlinien f├╝r barrierefreie Webinhalte (Web Content Accessibility Guidelines) aus. Diese sind in der EU (Europ├Ąische Union) f├╝r alle ├Âffentlichen Stellen ab September 2020 f├╝r bereits bestehende Webseiten und ab September 2019 f├╝r alle neuen Webseiten verbindlich. F├╝r die mobilen Anwendungen gelten die WCAG ab Juni 2021.

Die Hintergr├╝nde zur Ausarbeitung der Web Content Accessibility Guidelines

Die Richtlinien der WCAG bauen auf der Version 1.0 auf und wurden so entwickelt, sodass die Web Content Accessibility Guidelines sich auf unterschiedliche Techniken der Gegenwart und der Zukunft anwenden lassen. Die WCAG in der Version 2.0 wurden schon im Jahr 2008 ausgearbeitet. Gegen├╝ber ihrer Vorg├Ąngerversion von 1999 sind die Web Content Accessibility Guidelines von der Formulierung her v├Âllig technikneutral. Sie beinhalten viele weitergehende Aspekte, wie beispielsweise aus den Bereichen Gestaltung, Multimedia, Prozesse und Dynamik.

Zus├Ątzlich werden die Web Content Accessibility Guidelines durch nahezu unz├Ąhlige Dokumente erg├Ąnzt. Diese wichtigen Richtlinien definieren pr├Ązise, wie man Webinhalte f├╝r Menschen mit einer Behinderung barrierefrei gestalten kann. Zur Barrierefreiheit z├Ąhlt ein umfassendes Feld an unterschiedlichen Behinderungen einschlie├člich auditiver, visueller, sprachlicher, neurologischer und motorischer Behinderungen. Die Web Content Accessibility Guidelines decken ein breites Feld von g├Ąngigen Problemen ab. Des Weiteren machen die Richtlinien Internetinhalte f├╝r ├Ąltere Menschen leichter nutzbar. Zus├Ątzlich zu den grunds├Ątzlichen Prinzipien beinhalten die Richtlinien konkrete Handlungsanweisungen. Im Oktober 2012 wurden die Richtlinien offiziell als Standard anerkannt und wurden in die Norm ISO-/IEC 40500 ├╝bernommen.

Wie wirken sich die WCAG auf das Internet aus?

Die Richtlinien und Empfehlungen der WCAG haben zwar keine gesetzliche G├╝ltigkeit, dennoch sind sie verbindlich f├╝r die Entwicklung von Webseiten. Generell wird von den Programmen erwartet, dass sie mit dem 3C-Standard konform sind. Dies trifft insbesondere auf den Browser, der wichtigsten Schnittstelle zwischen dem Benutzer und dem Internet, zu. Die Web Content Accessibility Guidelines wurden bei der Gesetzgebung einzelner Staaten ber├╝cksichtigt. Die amerikanische Regierung hat schon fr├╝hzeitig signalisiert, dass sie die Web Content Accessibility Guidelines unterst├╝tzen wird. Die deutsche Bundesregierung hat die WCAG f├╝r alle Webauftritte des Bundes als rechtlich verbindlich festgelegt. Nach und nach wird dies von immer mehr Bundesl├Ąndern in Deutschland ├╝bernommen.

Die g├Ąngigen Standards vom World Wide Web HTML und XHTML bieten umfassende M├Âglichkeiten Internetseiten zug├Ąnglicher zu machen. Leider wurden diese M├Âglichkeiten in der Vergangenheit nie ausreichend genutzt und aus diesem Grund waren eigenst├Ąndige Richtlinien in Form der Web Content Accessibility Guidelines vonn├Âten. Die Empfehlungen der WCAG werden von vielen nationalen und internationalen Initiativen unterst├╝tzt. Das bekannteste Beispiel in Deutschland ist die Aktion Mensch. Diese vergibt jedes Jahr den BIENE-Award. Diese wichtige Auszeichnung erhalten besonders zug├Ąngliche und gelungene Webinhalte in unterschiedlichen Kategorien.

Tipp

Wenn Sie noch Fragen bez├╝glich dem BIENE-Award haben, dann k├Ânnen Sie gerne den jeweiligen Glossar dazu besuchen und sich ├╝ber das Thema informieren.

Aufbau der WCAG

Die Web Content Accessibility Guidelines sind pyramidenf├Ârmig aufgebaut und bestehen aus 4 unterschiedlichen Ebenen:

  • 4 Prinzipien
  • 12 Richtlinien
  • 61 Kriterien f├╝r den Erfolg
  • viele unterschiedliche Techniken

Die ersten 3 Ebenen sind das Fundament f├╝r die ausgearbeiteten Richtlinien der Web Content Accessibility Guidelines. Die 4. Ebene umfasst eine gro├če Auswahl an erg├Ąnzenden Dokumenten. Diese sind im Gegensatz zu den ersten 3 Ebenen der WCAG nicht normativ und werden in regelm├Ą├čigen Abst├Ąnden aktualisiert.

Die 4 Prinzipien der WCAG

Bedienbarkeit

Damit die Webinhalte f├╝r Menschen mit einer Behinderung einwandfrei benutzbar sind, muss man sie┬áohne Einschr├Ąnkungen bedienen k├Ânnen. Die einzelnen Bestandteile einer Internetseite, wie zum Beispiel die Navigation, muss vollst├Ąndig bedienbar sein. Zu diesem Zweck m├╝ssen alle Bedienelemente und Funktionen der Website mit der Tastatur bedient werden k├Ânnen. Der Benutzer muss gen├╝gend Zeit zur Nutzung der verschiedenen Inhalte haben. Videos m├╝ssen beispielsweise mit einer M├Âglichkeit zur Unterbrechung versehen werden. Bei der Gestaltung der Inhalte sollten die Programmierer auf Elemente verzichten, die einen Anfall ausl├Âsen k├Ânnen. Die Elemente d├╝rfen auf keinen Fall mehr als dreimal hintereinander kurz blitzen. Besonders wichtig beim Prinzip der Bedienbarkeit ist die Navigierbarkeit auf den Webseiten. Dies beinhaltet die Nutzung von Linktexten, ├ťberschriften, Titeln und Beschriftungen.

Verst├Ąndlichkeit

Bei diesem Prinzip der WCAG geht es um eine einwandfreie Verst├Ąndlichkeit. Alle Informationen und die Bedienung an sich sollten so gestaltet werden, sodass die Benutzer alles verstehen. Die Sprache auf der Webseite sollte im Hinblick auf die Landessprache des Nutzers automatisch bestimmt und entsprechend eingestellt werden. Alle ungew├Âhnlichen Abk├╝rzungen und W├Ârter werden automatisch erkannt. Zu allen komplizierten Inhalten gibt es eine einfach zu lesende Alternative. Eine besonders wichtige Rolle spielt die Vorhersehbarkeit der Internetseite. Diese ├Ąu├čert sich beispielsweise in der Konstanz von Eingabe, Navigation und Fokus. Der Besucher der Webseite soll dabei unterst├╝tzt werden g├Ąngige Fehler zu korrigieren und zu vermeiden, falls sie eintreten. In der Praxis bietet sich zur Umsetzung der Web Content Accessibility Guidelines beispielsweise eine kontextsensitive Hilfe an.

Wahrnehmbarkeit

Das wichtigste Grundprinzip, mit welchem der Nutzer in Ber├╝hrung kommt, ist die Wahrnehmbarkeit. Gem├Ą├č den Richtlinien der WCAG muss jede Webseite wahrnehmbar sein. Das wichtige Prinzip besteht aus einer gro├čen Anzahl an einzelnen Ma├čnahmen, auf die jeder Seitenbetreiber achten muss. Es sollten geeignete Alternativen f├╝r alle Nicht-Text-Inhalte vorhanden sein. G├Ąngige Beispiele sind eine Texterkl├Ąrung zu den Videos und alternative Texte zu Grafiken. Des Weiteren sollten g├Ąngige Alternativen f├╝r alle Audio- und Videoinhalte auf der Webseite vorhanden sein. Beispiele sind Untertitel, Geb├Ąrdensprache und die Audiodeskription. Alle Webinhalte m├╝ssen gem├Ą├č der WCAG auf unterschiedliche Arten und ohne einen Informationsverlust dargestellt werden k├Ânnen. Die Unterscheidbarkeit ist ebenfalls wichtig. Im Mittelpunkt steht ein gut sichtbarer Kontrast zwischen dem Vorder- und dem Hintergrund. Diesen kann man durch den Einsatz von verschiedenen Farben, Bildern und einer unterschiedlichen Textgr├Â├če realisieren.

Robustheit

Webinhalte im Internet m├╝ssen so umgesetzt werden, sodass die Daten robust sind. Von einer Robustheit spricht man, wenn die Inhalte von den unterschiedlichsten Personen mit vollkommen anderen technischen Voraussetzungen ohne gro├če Differenzen interpretiert werden k├Ânnen. Gem├Ą├č den
Web Content Accessibility Guidelines sollen alle Inhalte von jeder einzelnen Personengruppe verstanden und genutzt werden.

12 Richtlinien und 61 Erfolgskriterien

Im Hinblick auf die Nutzung von Webseiten gibt es viele unterschiedliche Richtlinien. Bei der Web Content Accessibility Guidelines kommen exakt 12 Richtlinien zum Einsatz:

  • Textalternativen
  • zeitbasierte Medien
  • anpassbare Inhalte
  • unterscheidbar
  • per Tastatur zug├Ąnglich
  • gen├╝gend Zeit
  • Anf├Ąlle vermeiden
  • navigierbar
  • lesbar
  • vorhersehbar
  • Hilfe bei der Eingabe
  • kompatibel

Zus├Ątzlich zu diesen wichtigen Richtlinien gibt es bei der WCAG insgesamt 61 Kriterien f├╝r den Erfolg. Diese Kriterien wurden allgemein formuliert und k├Ânnen bei jeder Art von Technik zum Einsatz kommen. Zus├Ątzlich wird jedes Kriterium durch 2 Verlinkungen erg├Ąnzt. Diese Links verweisen auf die erkl├Ąrenden Dokumente. Folgende Inhalte spielen bei den WCAG eine Rolle:

  • sichere und ausreichende Techniken, mit deren Hilfe man das Erfolgskriterium erf├╝llen kann
  • zus├Ątzliche empfohlene Techniken
  • fehlerhafte Techniken, die zu einer Nichterf├╝llung des Kriteriums f├╝hren
  • Erkl├Ąrungen zum Nutzen und Zweck des Erfolgskriteriums
  • praktische Beispiele f├╝r die erfolgreiche Umsetzung
  • wichtige Hinweise zur Pr├╝fung der Konformit├Ąt

Die wichtigsten Begriffe der Web Content Accessibility Guidelines

Wer sich mit den Richtlinien auseinandersetzt, der sollte folgende 3 Begriffe kennen und verstehen: Webseite, durch eine Software bestimmt und Barrierefrei unterst├╝tzend. Der Begriff Website umfasst nicht nur die statischen Seiten in HTML. Zu dem wichtigen Begriff z├Ąhlen die dynamischen Webseiten inklusive Seiten, die vollst├Ąndig interaktive sowie virtuelle Communities haben. Es gibt einige Kriterien, die verlangen, dass Webinhalte sich durch eine Software bestimmen lassen. Dies bedeutet in der Praxis, dass die Webinhalte auf eine spezielle Art und Weise ausgeliefert werden. Dadurch k├Ânnen die Benutzeragenten (assistierende Techniken) die Webinhalte den Nutzern in unterschiedliche Modalit├Ąten zur Verf├╝gung stellen. Barrierefreiheit unterst├╝tzend bedeutet, dass die Technik mittels der assistierenden Techniken und den vorhandenen Barrierefreiheitsfunktionen der Betriebssysteme, Browser und Benutzeragenten funktioniert.

Tipp

Wenn Sie noch Fragen bez├╝glich eines Online Marketing Themas haben, dann k├Ânnen Sie gerne unseren Glossar besuchen und sich ├╝ber das Thema informieren, wo Sie noch speziell Fragen haben.


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