Contextual Inquiry

Contextual Inquiry

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Was ist eine Contextual Inquiry?

Defintion

Eine Contextual Inquiry, auf Deutsch kontextuelle Befragung ist eine strukturierte Interviewmethode, bei der man beobachtet, wie Benutzer mit GerÀten und Schnittstellen in ihrer eigenen Umgebung interagieren.

Da Benutzer in ihren gewohnten Umgebungen befragt werden, sind die Analysedaten realistischer und aussagekrĂ€ftiger als Daten, die unter Laborbedingungen gewonnen werden. Die Contextual Inquiry basiert auf einer Reihe von Prinzipien, die eine Anpassung der Untersuchung an verschiedene Situationen ermöglichen. Diese Technik verwendet man in der Regel zu Beginn des Designprozesses und eignet sich gut fĂŒr die Sammlung umfassender Informationen zu Arbeitspraktiken, den sozialen, technischen und physischen Umgebungen.

Der Ablauf einer Contextual Inquiry

Eine kontextbezogene Untersuchung beginnt mit der Planung, der Auswahl der Interviewpartner und dem Aufbau des Fokus bezĂŒglich dessen, was erreicht werden soll und wie es erreicht werden soll. Wichtig bei der Fokussierung ist es zu beachten, dass ein Fokus in der Regel nicht vollstĂ€ndig sein kann. FĂŒr aussagekrĂ€ftige Interviewergebnisse muss man den Fokus vom Interviewer gegebenenfalls immer wieder ĂŒberprĂŒfen. Die Interviewpartner werden in ihren gewohnten Umgebungen bei ihren Aufgaben interviewt und dabei so wenig wie möglich gestört. Das Interview sollte zu Rohdaten fĂŒhren. Das heißt, die Daten sollte man wĂ€hrend des Interviews optimalerweise ohne eine gleichzeitige Analyse sammeln.

Die eigentliche Contextual Inquiry besteht typischerweise vier Phasen

Das ist die Phase, in der der Interviewer einen Überblick ĂŒber die Arbeit der Benutzer erhĂ€lt und beginnt, Vertrauen aufzubauen. Die Aufzeichnung des Interviews beginnt wĂ€hrend dieser Phase. Wenn man das Interview nicht aufzeichnet, kann es vorteilhaft sein, zwei Interviewer einzusetzen.
Im Anschluss an das einleitende Interview erfolgt ein wichtiger Wechsel hin zu einer sogenannten Meister-Lehrling-Beziehung. Im Fall der Contextual Inquiry ist der Interviewpartner der Meister und der Interviewer der Lehrling. Wichtig ist es, den Benutzern zu vermitteln, dass der Interviewer von ihnen lernen will, indem er sie beobachtet und gelegentlich unterbrechen wird. Man sollte sicherstellen, dass die Benutzer damit einverstanden sind, gelegentlich unterbrochen zu werden. Es ist wichtig, die Nutzer ĂŒber die Dinge zu befragen, die sie tun. Gleichzeitig aber auch ihre Arbeit so wenig wie möglich stören, zum Beispiel bei der Interaktion mit Kunden.
Die Benutzer sind die Meister und sie fĂŒhren die Untersuchung. Der Interviewer in seiner Rolle als Lehrling ist optimalerweise nur anwesend und unterbricht, wenn möglich, nur gelegentlich, um Fragen zu den Ereignissen zu stellen. Dabei sollte bei aller RĂŒcksichtnahme jedoch nicht gezögert werden, Fragen zu stellen, die relevant sind. Wenn es beim Interview nur schwer möglich ist, einzuschĂ€tzen, was relevant oder nicht relevant ist, sollten die Punkte oder Fragen notiert werden.
In dieser Phase sollte der Interviewer zusammenfassen, was er wÀhrend der Interviews gelernt hat. An diesem Punkt der Contextual Inquiry werden die Beobachtungen und Schlussfolgerungen dem Benutzer neu geschildert und es dem Benutzer ermöglicht, etwaige MissverstÀndnisse aufzuklÀren oder wichtige Punkte zu vertiefen.
Eine kontextuelle Untersuchung bietet gegenĂŒber anderen Methoden der Kundenforschung mehrere Vorteile.

Die Offenheit der Interaktion ermöglicht es, implizites Wissen, Wissen ĂŒber den eigenen Arbeitsprozess, das den Nutzern selbst nicht bewusst ist, zu offenbaren. Implizites Wissen ist traditionell sehr schwer zu entdecken. Die durch kontextbezogene Untersuchungen erzeugten Informationen sind sehr zuverlĂ€ssig. Umfragen und Fragebögen gehen davon aus, dass die Fragen, die sie enthalten, wichtig sind. Traditionelle Usability-Tests gehen davon aus, dass die Aufgaben, die der Benutzer ausfĂŒhren soll, relevant sind.

Eine Contextual Inquiry konzentriert sich auf die Arbeit, die Benutzer durchfĂŒhren mĂŒssen, und zwar auf ihre Art und Weise – so ist sie fĂŒr den Benutzer immer relevant. Und weil es sich um ihre eigene Arbeit handelt, sind die Benutzer mehr daran interessiert als bei einer Beispielaufgabe. Die Informationen, die von der kontextbezogenen Untersuchung erzeugt werden, sind zudem sehr detailliert. Marketingmethoden wie Umfragen liefern zwar Informationen auf hoher Ebene, aber nicht die detaillierten Daten zur Arbeitspraxis, die fĂŒr die Gestaltung von Produkten benötigt werden. Es ist sehr schwierig, diese Detailgenauigkeit auf andere Weise zu erreichen. Die Contextual Inquiry ist darĂŒber hinaus eine sehr flexible Technik, die an unterschiedlichen Orten durchgefĂŒhrt werden kann.

Eine Contextual Inquiry ist sehr zeit- und ressourcenintensiv. Einen Benutzer zu besuchen und eingehende Beobachtungen durchzufĂŒhren, erfordert mehr Zeit als viele andere Forschungsmethoden und ist daher meist mit höheren Kosten verbunden. Wie bei allen qualitativen Techniken ist auch bei der Interpretation der Daten einer Contextual Inquiry eine gewisse Vorsicht geboten. Es muss sichergestellt werden, dass die DurchfĂŒhrung einer solchen Studie trotz des hohen Aufwands statistisch signifikante Daten liefert. Das heißt, die Zahl der Untersuchungen muss entsprechend hoch sein.

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