Geliefert wie bestellt? Übersetzte Plagiate anstatt Unique Content

Schreibmaschine Plagiat

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Ohne Unique Content geht im SEO fast nichts mehr. Zur Praxis einer jeden guten SEO-Strategie gehört die Bereitstellung von qualitativ hochwertigen Inhalten. Sie garantieren Nutzern in klug ausformulierten Ratgebern, Produktbeschreibungen oder News-Artikeln einen Mehrwert, der Leser idealerweise in Leads verwandelt und zu mehr Conversions führt.

Agenturen befinden sich seit der Content-Revolution in einer doppelt misslichen Lage. Potenzielle Kunden übernehmen die Online-Redaktion samt dazugehöriger SEO-Prozesse oftmals intern selbst, und selbst da, wo Agenturen Texte noch bereitstellen sollen, sind diese durch zu kleine Zeitkontingente wiederum auf externe Textanbieter wie content.de oder Textbroker angewiesen. Geschriebener Content ist bei diesen Providern schon für nur wenige Cents pro Wort erhältlich. Das lohnt sich durchaus, birgt aber mittlerweile Risiken und Gefahren.

Unique Content billig und schnell

Genannte Anbieter werben dabei mit einer schnellen Verfügbarkeit und natürlich uniquen Inhalten. In Zeiten von Tools wie CopyScape, die darauf spezialisiert sind, Duplicate Content zu erkennen, sollte das Entlarven von doppelten Inhalten auch kein Problem sein. Eigentlich. Denn durch die fortschreitende Verbesserung von Übersetzungstools wie den Google Translator oder deepl.com wird die Frage nach der Qualität auch von vermeintlichem Unique Content neu gestellt. Werden also Texte bei genannten Providern bestellt, heißt das noch lange nicht, dass sie Unique Content sind; sondern womöglich einfach auf die Schnelle übersetzt wurden. Hinweise auf übersetzte Plagiate liefern die Grenzen gängiger Übersetzungstools selbst, so ausgereift sie sich etwa auf deepl.com auch präsentieren. Probleme entstehen spätestens bei der Idiomatik oder bei englischsprachigen termini tecnici, also Spracheigentümlichkeiten oder bei Fachbegriffen, für die Übersetzungsprogramme gerne recht ulkige Lösungen parat haben. Lesen Sie also in bestellten Texten zu Software-Anwendungen etwas über einen “Werkzeugkasten” (für Tool Box) oder “Engines”, welche “eine bestimmte Webseite kratzen” lassen, so ist es mit Unique Content wohl nicht so weit her.

Übersetzungsplagiat 1: Ein bestellter Glossar-Artikel zum Thema Meta Tags.

In weiten Teil als Plagiat erwies sich zum einen der georderte Text zum Thema Meta Tags. Wie unsere Nachverfolgung ergab, setzt sich das Plagiat aus entsprechenden Fachartikeln aus Wikipedia und Moz zusammen. Dass offenkundige Fehler bzw. stilistische Entgleisungen wie im Abschnitt: “[h2]Tipp: Wann auf eine Meta-Beschreibung verzichtet werden kann[/h2]” nicht gesehen wurden, lässt auch den fahrlässigen Umgang bzw. völlig fehlendes Qualitätsbewusstsein der Autorin erkennen: “… Obwohl die herkömmliche Logik besagt, dass es allgemein klüger ist, eine gute Meta-Beschreibung zu formulieren, als die Engines eine bestimmte Webseite kratzen zu lassen, ist dies nicht immer der Fall.” Inhaltlich erwies es sich, dass Struktur und Inhalte einfach zu einem Text zusammengefügt wurden, die plagiierten Passagen aus Moz sind grün, die Wikipedia-Abschnitte rot markiert: :

Content.de Textplagiat

Screenshot. Markierter Text Content.de

Rot markiert sind – wie erwähnt – die Wikipedia-Passagen zum Thema Meta Element, welche übersetzt und übernommen wurden:

Wikipedia - Meta Tags

Screenshot: Wikipedia

Die grün markierten Textbereiche sind vom Online-Portal Moz übernommen und übersetzt. Pikant an der Sache: moz.com wird branchenweit rezipiert, weshalb ein Plagiat spätestens von bewanderten Marketern über kurz oder lang erkannt worden wäre:

Moz.com Meta Descriptions

Screenshot: Moz.com

Übersetzungsplagiat 2: Ein bestellter Glossar-Artikel zum Thema PageRank.

Wikipedia lieferte auch die Vorlage für den bestellten Artikel zum Thema PageRank. Wie ein genauer Blick ergab, waren es auch hier nicht nur einige Passagen, sondern ganze Abschnitte samt Struktur,   auch Nur dreist kann es nennen, wenn die Texterin einfach Abschnitte aus einem plagiiert. Zum Beispiel:

PageRank Wikipedia

Screenshot: Wikipedia

Plagiiert und übersetzt hat die Autorin hier:

[strong]Pagerank (PR)[/strong] ist ein Link-Analyse-Algorithmus, der jedem Element eines mit Hyperlinks verknüpften Satzes von Dokumenten, wie z. B. dem World Wide Web, eine numerische Gewichtung zuweist, um seine relative Bedeutung innerhalb des Satzes zu ermitteln. Der Algorithmus kann auf jede Sammlung von Entitäten mit wechselseitigen Zitaten und Referenzen angewendet werden. Das numerische Gewicht, das einem bestimmten Element [i]E[/i] zugewiesen wird, wird als Pagerank von [i]E[/i] bezeichnet und mit [i]PR (E)[/i] angegeben.

Auch folgenden Absatz wurden Teile plagiiert:

Screenshot: Wikipedia

Im bestellten und gelieferten Text von content.de sah das dann so aus:

Ein [strong]Pagerank (PR)[/strong] ergibt sich aus einem aus der Mathematik kommenden Algorithmus, der auf dem Webgraphen basiert. Der Rangwert gibt die Wichtigkeit einer bestimmten Seite an. Ein Hyperlink zu einer Seite gilt sozusagen als Unterstützungsvotum. Der PR einer Seite wird rekursiv definiert und hängt von der Anzahl und PR-Metrik aller Seiten ab, die darauf verlinken (= eingehende Links). Eine Seite, auf die viele Seiten mit hohem PR verweisen, erhält selbst einen hohen Rang.

Auch der dritte Absatz des zweiten Abschnitts wurde phasenweise plagiiert:

Screenshot: Wikipedia

Seit [i]Page[/i] und [i]Brins[/i] Originalarbeit, wurden zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten zu [strong]Pagerank (PR)[/strong] publiziert. In der Praxis kann das Konzept anfällig für Manipulationen sein. Ferner wurden Untersuchungen durchgeführt, um falsch beeinflusste PR-Rankings zu identifizieren. Ziel ist es, ein wirksames Mittel zu finden, um Links aus Dokumenten mit falsch beeinflusstem PR zu ignorieren.

Dass es sich nicht nur um einzelne Passagen, sondern fast die ganze Struktur des Textes handelt, beweist dieser Screenshot, links der bestellte Artikel, rechts das Übersetzungsplagiat aus Wikipedia (rot markiert):

© Screenshot: Wikipedia & content.de

Tatsächlich haben Provider wie content.de auf diese Möglichkeiten künstlicher Intelligenz bisher keine Antwort. Zwar findet sich bei content.de in der Eingabemaske für Texte ein entsprechendes Prüfprogramm (CopyScape) zur Identifizierung doppelter Inhalte und damit Unique Content sicherzustellen; doch versagt die Technik dann, wenn es um übersetzte Inhalte aus dem Internet geht. Peinlich wird es spätestens, wenn es sich bei dem bestellten Content um übersetzte Plagiate weithin bekannter Verfasser ausgerechnet aus den Bereichen SEO und Online-Marketing handelt, welche branchenweit gelesen und zitiert werden.

Die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) zu mindestens von content.de leisten hier weniger Erklärungshilfen, als man erwarten könnte. Formal entsteht mit der Textbestellung ein Vertragsverhältnis zwischen dem Schreiberling der Plattform und dem Auftraggeber (siehe AGB 4.2), was eben auch heißt: für etwaige Urheberrechtsverletzungen durch die bloße Übersetzung vorhandener Inhalte haftet dann eben nicht der Provider (siehe AGB 6.5), da die Beurteilung und die Verwertung des bestellten Textes in Händen des Textkäufers liege:

“6.5 Der Client verpflichtet sich, vor der Verwendung der erstellten Texte, diese inhaltlich und auf Rechteverletzungen zu prüfen (wie z. B. Markenrechtsverstöße, Wettbewerbsverstöße). Dabei ist insbesondere zu prüfen, ob der Text im geplanten Einsatzumfeld bedenkenlos verwendet werden kann. content.de übernimmt keine Gewähr dafür, dass der Text für einen bestimmten Zweck des Clients geeignet ist. Der Client trägt das Risiko der Verwendung ungeprüfter Texte. content.de übernimmt ausdrücklich keine Prüfung auf Rechtsverstöße und schließt jegliche Haftung diesbezüglich aus.”

In den AGBs findet sich auch der für content.de wichtige technische Kontrollrahmen definiert, der eben  durch das Programm CopyScape für die Sicherstellung von Unique Content gesetzt wird. Faktisch können damit aber – wie dargelegt – auch Übersetzungs-Plagiate das Prüf-Programm problemlos unterlaufen.

Etwas anders sieht die Sache bei Textbroker aus: “6.2 Der Autor verpflichtet sich, nur sorgfältig eigenverfasste Texte einzureichen, an denen er alleine sämtliche Nutzungs- und Verwertungsrechte hält. Die Erstellung von Texten mittels Textgeneratoren oder automatischen Übersetzungstools ist nicht gestattet”, heißt es da in den AGB. Auf eine Anfrage der OSG hieß es zudem, dass die Textbeurteilung durch Textbroker nach gewissen Plausibilitäts-Merkmalen wie die Schreibgeschwindigkeit erfolge, auch bemühe sich die Qualitätssicherung im Vorfeld der Autorenakquise um eine genaue Kontrolle eingereichter Probetexte. Aber, so lautet das schlussendliche Fazit von Textbroker, eine hundertprozentige Sicherheit gebe es derzeit bei keinem Anbieter.

Unique Content als Frage der Technik

Viele dieser in Prüfprogramme und AGBs übersetzten Strategien gegen Duplicate Content erscheinen mit der Möglichkeit von schnellen Übersetzungs-Plagiaten in einem neuen Licht. Ähnlich wie andere Anbieter im E-Commerce auch sollten Provider wie content.de gezielt gegen Plagiate vorgehen; der Hinweis auf  unausgereifte technische Lösungen hilft nicht weiter und geht vor allem an Kundenbedürfnissen vorbei. Anders als bei gefälschten Sneakern oder Smartphones kann der Schaden bei Urheberrechtsverletzungen schnell beträchtliche und durchaus existenzbedrohende Ausmaße erreichen!

Das Billighemd heutiger Content-Erstellung

Lohnt daher überhaupt ein Text-Einkauf? Auf Agenturseite, wo Zeit sprichwörtlich Geld ist, aber auch bei “Direktverwertern” in Betrieben und Unternehmen dürfte sich diese Frage nun umso dringlicher stellen. Will man einen hochwertigen Text Bestellen, bedarf es hierfür eines längeren Briefings; und ein gut formuliertes Briefing setzt eine ausgiebige inhaltliche (Keyword)Recherche voraus, um den Autor auch thematisch in die sprachlich und inhaltlich passende Richtung zu lotsen.

Die Praxis hat vor allem preisliche Vorteile, stößt in der Praxis da auf Grenzen, wo es in die Tiefe gehen soll. Soll ein unverwechselbarer Brand samt konsistenter Markenidentität etabliert werden, sind eingekaufte Texte sicher nicht der Königsweg. Problematisch ist dann die Realisierung eines professionelles Gesamzkonzepts:

  • Text- & Bildsprache
  • Tonalität
  • Layout & Grafik
  • Gliederung
  • einheitliche Call-to-Actions

Neben diesen klassischen Wirkfeldern von Werbetextern kommt die technische Komponente hinzu, vom Tracking über unzählige Fein- und Nachjustierungen: das Korrektorat, oder die Verlinkungspraxis oder Prüfungen über gängige WDF-IDF-Tools. Spätestens mit unzähligen Übersetzungs- und Kontrollschleifen – prinzipiell geht es ja um alle relevanten europäischen Sprachen – dürfte sich dann aber bei vielen Unternehmen die Frage nach dem ökonomischen Sinn stellen. Agenturen dürften dann bei qualitativ hochwertigen Gesamtkonzepten immer noch die Nase vorn haben.

Blickt man von hier aus zurück, so kann man festhalten, dass sich durch diese Praxis des billigen Texteinkaufs einmal mehr Prinzipien zu Tode rasen. Wo eine rücksichtslose Discountisierung und “Geiz ist geil!”-Mentalität über Hand nehmen, braucht sich niemand über die Kollateralschäden zu wundern. Kreativität bemisst sich dann vor allem darin, Qualität den Bach heruntergehen zu lassen oder eben andere zu übervorteilen. Insofern ist gerade die Content-Revolution dabei, ihre eigenen Kinder zu fressen. Wo Mehrwert und Relevanz permanent im Mund geführt wird, aber chronisch nur auf den Preis geschaut wird, wird vor allem liebloser Schund produziert. Greifbar ist der Irrsinn schon längst auf unzähligen sozialen Netzwerken zur visuellen Selbstdarstellung. Wenn Bilder am laufenden Band hochgeladen werden, schwindet am Ende die Qualität. Das meiste, das gepostet wird, interessiert schlichtweg niemanden.

Die Rückkopplungseffekte eines wahnhaft kollabierenden Nützlichkeitsdenkens liegen aber jedem schon klar vor Augen, egal, ob bei Massentierhaltung, CO2-Ausstoß oder bei der Ausbeutung in der Textil-Industrie. So beschleichen einem Kunden von content.de die gleichen Empfindungen, die man beim Betreten von H&M oder McDonald’s verspürt: Der Discount etablierter Content-Erstellung eben. Die Praxis wird spätestens dann allen auf die Füße fallen, wenn der Google Bot die Qualität von Texten tatsächlich evaluieren kann.

Unique Content für wirklichen Mehrwert

Eine Rückbesinnung auf ganzheitliche Konzeptionen ohne Texte von der Stange wäre dann angezeigt. Um tatsächlich eine stimmige Marken-Identität zu entwickeln, bedarf es eines stimmigen Konzepts mitsamt einer einheitlichen Tonalität. Leisten können dies vor allem Inhouse-Texter und versierte Autoren auf Agenturseite, welche mit SEO-Spezialisten und Designern Hand in Hand arbeiten. Über stimmig konzipierte Gesamt-Konzepte wird dann auch das eingelöst, was Unique Content verspricht, nämlich Mehrwert und Nutzen, der Kunden begeistert und damit zu Leads und Conversions führt.

Fazit:

Inhalte bleiben relevant, guter Unique Content zudem sehr aufwändig. Doch bei der preislichen Abwärtsspirale, die mit Portalen wie Textbroker oder content.de in Gang gesetzt wird, braucht sich niemand über die Folgen zu wundern. Das Risiko der Abmahnung durch plagiierten Content ist nur eine Facette dieser Fehlentwicklung. Der Größenwahn allgegenwärtiger und schneller Verfügbarkeit von Inhalten führt dazu, dass sich das Konzept Content-Marketing selbst ad absurdum führt. Wir produzieren Inhalte, die kein Mensch liest, weil sie niemand braucht.

Kostenloser SEO-Check der OSG



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