Brandalism

Was ist Brandalism?

Brandalism ist ein englisches Kunstwort, das aus den Bestandteilen Brand (Marke) und Vandalism (Vandalismus) besteht. Unter dem Begriff wird sich kritisch mit finanzkräftigen Unternehmen auseinandergesetzt, denen vorgeworfen wird, immer stärker den öffentlichen Raum mit ihrer Werbung zu beanspruchen. Für die Kritiker wirken die Werbebotschaften im Stadtbild ähnlich störend wie eine Verschandelung des öffentlichen Raums mit Graffiti und ähnlichen Hinterlassenschaften. Auch okkupierten die Firmen durch Werbung und Sponsoring Schulen, Universitäten, Bibliotheken und Sportvereine und setzten dort ihre wirtschaftlichen Interessen durch. Das eigentliche Ziel der Institute, öffentliche Aufgaben zu erfüllen, gerate in den Hintergrund bzw. werde von den Profiteuren der Kommerzialisierung gelenkt.

Brandalism Beispiele

In der Fußball-Bundesliga sind die Namen der meisten Stadien mittlerweile mit dem Namen eines Sponsors versehen wie bei der Allianz-Arena im Stadion des FC Bayern München oder im Signal-Iduna-Park für die Spielstätte von Borussia Dortmund. Andere Fußballvereine wie Bayer Leverkusen und Red Bull Leipzig sind bereits in ihrem Vereinsnamen nach Unternehmen benannt. Kritiker sehen darin einen Verlust von Integrität, Tradition und Identität. Auch die Benennung von Ligen und Sportereignissen nach Sponsoren ist durch Brandalism möglich. Beispiele hierfür sind der “BDO World Cup Men” sowie die “Asstel-Eishockey-Liga”. Allein aufgrund der Benennung ist der Zweck dieser Sportveranstaltungen als Feldhockey-Weltmeisterschaft im Jahre 2006 sowie als 2. Eishockey-Bundesliga 2006/07 nicht mehr klar ersichtlich.

Der Ursprung der Bewegung

Eine große globale Sportveranstaltung war mit den Olympischen Sommerspielen in London 2012 das auslösende Moment für die Bildung der Brandalism-Bewegung. Es war ein Zusammenschluss von 26 Londoner Künstlern, die sich unter dem Schlagwort Brandalism versammelten und in mehreren englischen Städten Werbebotschaften mit Kunstsymbolen überdeckten, die während der Olympiade an Intensität zugenommen hatten. Gleichzeitig richteten sich die Künstler gegen die Kommerzialisierung des bedeutenden Sportfestes und gegen die damit einhergehende Korrumpierung seiner Werte.

Bei der Klimakonferenz in Paris 2015 waren es 82 Aktivisten aus 19 Ländern, die mit satirischen Werbebotschaften die Sponsoren der Konferenz angriffen, ihnen Heuchelei vorwarfen und ihnen eine Mitschuld an der Klimakatastrophe gaben. So trug ein scheinbares Werbeplakat der Firma Volkswagen den Slogan: “We´re sorry, that we got caught” (es tut uns leid, dass wir erwischt wurden). Da die Kommerzialisierung seitdem nicht abgeebbt ist und von vielen Bürgern weiterhin als störend und problematisch wahrgenommen wird, ist mit weiteren unternehmenskritischen Aktionen unter dem Banner des Brandalism als zeitkritisches Phänomen zu rechnen.


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