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Candystorm

Was ist ein Candystorm?

Viele Menschen, Unternehmen und Organisationen fürchten sich im Internet vor dem Phänomen Shitstorm. Das aus den englischen Worten “shit” und “storm” zusammengesetzte Wort steht für massenhaft auftretende Kritik, Schmähungen bis hin zu Beleidigungen in sozialen Netzwerken oder den Kommentarfunktionen von Internetseiten. Die Menge und das Tempo dieser Kommentare summiert sich dann zu einem Sturm, gegen das sich das Opfer nicht wehren kann und die seinem Ruf schaden. Im Jahre 2012 tauchte in den sozialen Netzwerken ein neues Phänomen auf das genau das Gegenteil eines Shitstorms ist und Menschen oder Institutionen für ihre gute Arbeit lobt: der Candystorm.

Wie entstand der erste Candystorm?

Der erste Candystorm geht auf den Politiker Volker Beck (Die Grünen) zurück, der im November 2012 ein Zeichen der Unterstützung für seine Kollegin Claudia Roth setzen wollte. Volker Beck verwendete dazu das Wort Candystorm auf Twitter, wo er um Zuspruch für die damalige Parteivorsitzende warb. Auf dem Parteitag hatten Die Grünen ihre Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl 2013 gekürt und Claudia Roth hatte mit 26,2 Prozent der Stimmen nur den vierten Platz belegt. Das für die Parteivorsitzende enttäuschende Ergebnis deutete darauf hin, dass ihr Rückzug aus dem Parteivorsitz zu befürchten war. Volker Beck und andere Sympathisanten von Claudia Roth veröffentlichten daraufhin auf Twitter Zuspruch und Anerkennung für die Leistungen der Parteivorsitzenden. Der aus den englischen Worten “candy” und “storm” zusammengesetzte Begriff stand für Zuspruch und Lob und war das genaue Gegenteil eines Shitstorms. Während es sich bei einem Candystorm um Zuspruch handelt, gilt ein Shitstorm als Sturm der Entrüstung.

Claudia Roth kandidierte erneut für den Parteivorsitz, wurde am Ende ihrer Bewerbungsrede mit Bonbons und Süßigkeiten beworfen und mit 88,5 Prozent der Stimmen wiedergewählt. Später tauchte der Begriff dann außerhalb der sozialen Medien zu ersten Mal im deutschen Sprachraum auf. Viele deutschsprachige Medien griffen den Begriff Candystorm auf und berichteten über den neuen Netzjargon, so dass sich das Wort schließlich auch außerhalb des Parteitages etablierte.

Weitere Verbreitung und weltweite Nutzung

Einige Webnutzer, allen voran deutsche Politiker, hatten sich zunächst über die Idee des Candystorms lustig gemacht. Zwar genießen sie es Aufmerksamkeit zu erregen, aber sie bemängeln die Eigenart der digitalen Gesellschaft auf Ereignisse und Nachrichten entweder nur mit Shitstorm oder Candystorm zu reagieren. Nicht wenige Menschen waren der Meinung dass dieses ein Zeichen für das Ende der liberalen Zivilgesellschaft wäre. Der Begriff schaffte es trotzdem innerhalb kurzer Zeit auch außerhalb von Politik und Presse Verwendung zu finden. Es ist ein positiv besetzter Begriff und hat alle Eigenschaften für eine weite Verbreitung. Der Begriff steht für etwas Gutes und ist selbsterklärend. In der digitalen Welt ist der “Süßigkeitssturm” sehr wichtig, so dass viele Menschen das Wort gerne viral verbreiten.

Es waren die US-Amerikaner, die den in Deutschland geprägten Begriff Candystorm als erste angenommen haben. Wenn eine Kultur ein Wort aus einer anderen Kultur annimmt, wird das als Lehnwort bezeichnet. Digitale Technologie macht es den Menschen möglich, Lehnwörter zu benutzen um sich international auszutauschen. Das es sich bei “candy” und “storm” um zwei Wörter aus der englischen Sprache handelt, hat die Sache sicher vereinfacht.

Der Aufstand der Anständigen

Die Möglichkeiten der Kommunikation in der digitalen Welt sind in den sozialen Netzwerken besonders groß und vielfältig. Leider nutzt eine Minderheit der Benutzer diese Gelegenheit, um in sozialen Netzwerken Hasskommentare und Falschmeldungen zu veröffentlichen. Das sich diese Meldungen im Internet sehr schnell verbreiten liegt offenbar an der (vermeintlichen) Anonymität der Nutzer. Diese verleitet Nutzer oft dazu, die Grenzen der Meinungsfreiheit zu überschreiten. Sogenannter “Hate Speech” ist deshalb an vielen Stellen im Internet zuhause.
Um mit den Aggressionen fertig zu werden, haben viele Seitenbetreiber die Kommentarfunktion deaktiviert. Andere löschen bis zu zehn Prozent der Einträge, um die verbalen Entgleisungen zu reduzieren. Doch das Löschen von Einträgen löst das Problem eher nicht, sondern sorgt eventuell für eine Eskalation. Menschen, die von ihren Kommunikationsmöglichkeiten abgeschnitten wurden, reagieren häufig mit Hass und Gewalt auf das System.

Ein Candystorm als Gegenstück zum Shitstorm ist ein richtiges Mittel gegen eine vergiftete Atmosphäre in den sozialen Netzwerken. Es ist eine Möglichkeit, mit Aggressionen im Internet umzugehen. Shitstorms brechen meistens plötzlich und nichtsahnend über die Betroffenen herein. Einen Candystorm hingegen kann man anfänglich steuern.
Viele Menschen begegnen dem Shitstorm indem sie den Hass unter einer Flut positiver Kommentare begraben. Auf menschenverachtende Parolen unaufgeregt, eindeutig und sachlich zu reagieren ist eine weitere Möglichkeit. Beschimpfungen der Urheber sind eher kontraproduktiv. Zu reagieren ist immer noch besser als gar nichts zu sagen. Das wird dann unter Umständen von den Absendern als stille Zustimmung interpretiert.

Candystorm als Marketingstrategie

Ein Candystorm bietet eine Möglichkeit, mit Aggressionen in sozialen Netzwerken umzugehen. Er lässt sich bis zu einem gewissen Grad steuern. Unternehmen, besonders die, die schon einmal Opfer eines Shitstorms wurden, versuchen häufig die negative Aufmerksamkeit durch einen Candystorm in eine positive Aufmerksamkeit umzulenken. Auch zur Steigerung des Bekanntheitsgrads einer Marke oder zur Erhöhung der Reichweite bietet sich dieses Vorgehen an. Doch die Reaktionen der oft gleichzeitig agierenden Menschen sind sehr komplex und nur schwer berechenbar.

Unternehmen, die auf Kommentare oder Kritik nicht zeitnah antworten, laufen Gefahr einen Shitstorm auszulösen. Und wer einmal in den Fokus kritischer Benutzer geraten ist, kommt aus dieser Situation nur sehr schwer wieder heraus. Dennoch ist es möglich, auch mit der zahlreich auftretenden Kritik offensiv umzugehen und Ablehnung in Zustimmung zu verwandeln. Die richtige Interaktion mit Kunden und Benutzern ist die Grundlage für einen Candystorm. Wichtig ist es für Unternehmen jedoch nicht nur auf Anregungen und Kommentare einzugehen, sondern dabei auch authentisch zu bleiben. Aus Authentizität und Kommunikation entsteht dann unter Umständen ein Candystorm in dem Kunden oder Benutzer ihre Zustimmung verbreiten.

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