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FOMO

Was bedeutet FOMO?

FOMO ist die Abkürzung für “Fear Of Missing Out” auf Deutsch “Die Angst etwas zu verpassen”. Diese Angst ist für viele das unbehagliche und manchmal alles verzehrende Gefühl, zu verpassen, dass Kollegen, Freunde oder Bekannte etwas tun, wissen oder etwas besitzen, das besser ist, als das, was sie selbst tun oder sind. Fast drei Viertel der jungen Erwachsenen berichten, dass sie dieses Gefühl schon erlebt haben.

Eine weithin akzeptierte Regel in der menschlichen Psychologie lautet, dass Menschen dazu neigen, sich selbst im bestmöglichen Licht zu sehen. Diese Regel wird als illusorische Überlegenheit bezeichnet und kann bei gesunden Menschen helfen, das Selbstwertgefühl zu steigern, den Glauben stärken, eine Aufgabe erfolgreich bewältigen zu können oder in einer bestimmten Situation gut zu funktionieren. Insbesondere Social Media unterbrechen diesen Prozess und unterstützen einen irrationalen Glauben, dass das soziale Leben eines jeden anderen dem eigenen überlegen ist. Eine neue Studie, die von Sebastian Deri, einem Forscher an der Cornell University, New York, durchgeführt wurde, zeigt, dass diese Menschen im Vergleich zu anderen eine überraschend schlechte Meinung von ihrem sozialen Leben haben.

FOMO verursacht durch die sozialen Medien

Der Title von Sebastian Deris Studie lautet: “Zu Hause allein: Warum Menschen glauben, dass das soziale Leben anderer Menschen reicher ist als ihr eigenes Leben”, wurde kürzlich im “Journal of Personality and Social Psychology” veröffentlicht. Für die Studie wurden College-Studenten, Einkäufer in einem lokalen Einkaufszentrum und verschiedene weitere Personengruppen befragt. Jede Gruppe zeigte eine Voreingenommenheit, dass das soziale Leben anderer Menschen aktiver und aufregender war als das eigene. Das Ergebnis ist in den verschiedensten Bevölkerungsgruppen gleich und stabil. Diese Voreingenommenheit korreliert stark mit dem eigenen Wohlbefinden, was bedeutet, dass es signifikante gesundheitliche Konsequenzen mit sich bringen könnte.

Die Forscher argumentierten, dass einer der Gründe, warum Menschen ihr eigenes soziales Leben in solch einem negativen Licht wahrnehmen, darin besteht, dass sie sich nicht mit einer repräsentativen Stichprobe des sozialen Lebens anderer Leute vergleichen. Stattdessen vergleichen die gefragten Personen ihr soziales Leben mit Beispielen, die oft am einprägsamsten sind, weil sie die eindrucksvollsten Lebensgeschichten erzählen. Mit anderen Worten, jemandes perfekt komponierte Snapchat oder Facebook Story setzt sich im Kopf fest und bei einer Einschätzung des eigenen sozialen Lebens erinnern sich die Menschen nur an die extremsten Beispiele der sozialen Glückseligkeit anderer Leute.

Laut dem New York Magazine sind Facebook, Twitter, Instagram und Snapchat die Hauptgründe für FOMO. Diese Behauptung wurde mittlerweile wissenschaftlich bewiesen. In einer 2013 in der Zeitschrift Computers In Human Behavior veröffentlichten Studie fanden Wissenschaftler heraus, dass soziale Medien und Depressionen Teil eines Teufelskreises sind. Je mehr Zeit Menschen in den sozialen Medien verbringen, desto wahrscheinlicher ist das Erleben von FOMO.

Wenn eine Person nicht glücklich mit ihrem Leben ist, neigt sie dazu, mehr Zeit in den sozialen Medien zu verbringen. Mehr Zeit in den sozialen Medien führt zu mehr FOMO. Dies ist der Teufelskreis. Die Umfrage ergab, dass diejenigen, die FOMO häufiger erleben, weniger positive emotionale Erfahrungen und mehr negative emotionale Erfahrungen hatten, wenn sie mit Facebook oder Twitter verbunden waren. Die Wissenschaftler fanden zudem heraus, dass junge Männer die demografische Gruppe mit der höchsten Anfälligkeit für FOMO sind.

Ein Teil des Problems dabei ist, dass die Social-Media-Accounts der Menschen speziell darauf ausgerichtet sind, ein Highlight dessen zu sein, was in ihrem Leben vor sich geht. Sie sind nicht dazu gedacht, ein repräsentatives Beispiel für die gesamte Bandbreite an Erfahrungen und Emotionen zu sein, von denen viele völlig banal und langweilig sind. Die andere Seite dieser Medaille ist, dass, wenn diese Personen ihre eigenen Facebook- und Snapchat-Geschichten verfassen, diese die gleichen pessimistischen Neigungen bei anderen auslösen. In einer Gruppe zu sein zwingt Menschen dazu, das innere Leben anderer Menschen tiefer und durchdachter zu betrachten. In diesem Prozess der Vorstellung, wie das Innenleben anderer Menschen ist, glauben viele, dass diese Menschen großartig sein müssen, viel besser als sie selbst.

FOMO als weltweites Phänomen

Laut einer Connected World II-Umfrage erleben Internetnutzer auf der ganzen Welt FOMO, wenn sie nicht mit dem Internet verbunden sind. Rund 64 % der mehr als 9.400 Menschen in den sechs Ländern Frankreich, Deutschland, Indien, Singapur, den USA und Großbritannien befragten Personen geben an FOMO zu kennen. In Asien liegt dieser Anteil bei 80 %. Während 46 % der indischen Befragten mehr als sechs Stunden pro Tag im Internet verbringen, waren nur 44 % von ihnen in der Lage, bis zu 12 Stunden ohne Internetzugang zu leben. Europäer und Amerikaner sind wesentlich weniger online. 86 % der Deutschen, 77 % der Franzosen, 75 % der Amerikaner und 70 % der Befragten in Großbritannien mehr als 12 Stunden ohne Internetzugang auskommen.

FOMO in der Arbeitswelt

FOMO wirkt sich negativ auf das Engagement der Mitarbeiter aus und hindert sie in vielen Fällen daran, ihre volle Kapazität zu erreichen. 30 % der Mitarbeiter glauben, dass es unwahrscheinlich ist, dass sie jemals ihre Karriereziele erreichen werden, wobei jüngere Arbeitnehmer sich am schlimmsten getroffen fühlen. Sie haben das Gefühl, für ihren derzeitigen Arbeitsplatz überqualifiziert zu sein, mit wenig Aufstiegschancen. Die Forschung zeigt, dass diese Mitarbeiter in der Regel nicht voll engagiert sind.

Ein Grund dafür ist, dass Unternehmen in den letzten Jahren alte hierarchische Strukturen abgebaut und durch eine flachere Organisation mit weniger Managementebenen ersetzt haben. Folglich wächst die Unsicherheit darüber, was das für die Karriereentwicklung bedeutet. In flachen Organisationen gibt es nicht viele Möglichkeiten, aufzusteigen. Dies führt zu wachsender Frustration bei Mitarbeitern, die sich in ihrer Rolle festgefahren fühlen.

Viele Mitarbeiter wünschen sich mehr erfüllende und produktive Rollen bei der Arbeit. Sie suchen nach Rollen, die sie interessieren. Um die Negativität des FOMO umzukehren, wird den Arbeitgebern empfohlen, den Fokus von der Karriereentwicklung auf das Mitarbeiterwachstum zu verlagern. Dazu gehört es, den Mitarbeitern mehr Möglichkeiten zu geben, unternehmensweit zu arbeiten, neue Arbeitsweisen zu erleben und sich selbst in neuen Abteilungen und in einer Vielzahl von Projekten zu testen. Der Fokus sollte eher auf Breite als auf Tiefe liegen.

FOMO ist in der Gesellschaft allgegenwärtig geworden. Jugendliche und Erwachsene schreiben während der Fahrt, weil die Möglichkeit einer sozialen Verbindung wichtiger ist als ihr eigenes Leben (und das Leben anderer). Sie unterbrechen einen Anruf, um einen anderen zu nehmen, auch wenn sie nicht wissen, wer der Anrufer ist. Sie checken ihren Twitter-Stream während eines Termins, weil vielleicht etwas Interessanteres oder Unterhaltsames passiert. Viele Menschen sind über Twitter-Streams, Instagram-, Facebook- und LinkedIn-Updates so miteinander verbunden, dass sie nicht mehr allein sein können. FOMO, die Angst etwas zu verpassen, ist oft so intensiv, dass, wenn Menschen sich entschließen, eine Weile nicht online zu sein, sie sich erst noch einmal verbinden, nur um sicher zu sein, dass sie nichts verpassen.

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