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Blended Interaction

Was bedeutet Blended Interaction?

Blended Interaction bezeichnet ein neues Konzept für die Interaktion zwischen Menschen und Computern basierend auf neuen Erkenntnissen der Kognitionsforschung. Das Blended Interaction Konzept verfolgt das Ziel, die Interaktionsformen der realen Welt, zum Beispiel mit Menschen, Tieren und Objekten, mit der digitalen Interaktion der Computertechnologien zu mischen. Die Interaktion von Menschen mit Computern soll sich mehr an der Interaktion der realen Welt orientieren und dadurch einen stärkeren, für Menschen leicht verständlichen und nachvollziehbaren Bezug zur Realität erhalten.

Wissenschaftler an der Universität Konstanz befassen sich seit einiger Zeit mit der Entwicklung neuer Konzepte für die Mensch-Computer-Interaktion (MCI). Grundlage sind die als Ubiquitous Computing bezeichneten modernen und heute allgegenwärtigen Computertechnologien, kombiniert mit neuen Erkenntnissen der Kognitionsforschung. Mittlerweile gilt als gesichert, dass die kognitive Entwicklung des Menschen entscheidend von der sozialen Interaktion und der körperlichen Interaktion mit anderen Menschen, Tieren und Objekten beeinflusst wird.

Blended Interaction – Erweiterung der Interaktionsmöglichkeiten Mensch-Computer

Heute werden in der Regel noch die bereits vor rund 40 Jahren entwickelten grafischen Benutzeroberflächen (Graphical User Interface, abgekürzt GUI) für die Interaktion zwischen Menschen und Computern verwendet. Das Konzept der Blended Interaction sieht vor, die Möglichkeiten der Interaktion auf alle Sinnesorgane auszuweiten. Dabei werden neben der Spracheingabe und der Eingabemöglichkeit durch digitale Stifte auch Gesten im Raum und Touchscreens, die auf Berührung reagieren, mit einbezogen. Hinzu kommt die Einbeziehung der sozialen Interaktion, da Aufgaben häufig nicht von einzelnen Menschen, sondern von Gruppen mit mehreren Teilnehmern gelöst werden. Die Konstanzer Wissenschaftler sehen es daher als erforderlich an, auch die zwischenmenschliche Kommunikation bei der Entwicklung des Blended Interaction Konzeptes und daraus abgeleiteter Interaktionsformen mit einzubeziehen.

Blended Interaction als Rahmen für die Entwicklung neuer Interaktionsmöglichkeiten

Das von den Wissenschaftlern in Konstanz entwickelte Konzept der Blended Interaction ist der Rahmen und beschreibt, wie bei der Gestaltung und Vermischung der realen mit der digitalen Interaktion zwischen Mensch und Computer vorgegangen werden sollte. Vier Bereiche, so die Wissenschaftler, sind für die Qualität der Umsetzung von entscheidender Bedeutung:

  • Individuelle Interaktion: Bei diesem Teilaspekt des Blended Interaction Konzeptes geht es darum, die allgemeinen Alltagserfahrungen, die Nutzer bei der täglichen Interaktion mit Menschen und Objekten gesammelt haben, zu nutzen, um eine möglichst intuitive Interaktion mit Computern zu erzielen. Als Beispiel wird hierzu das Schreiben mit einem digitalen Stift genannt, das sowohl auf dem Papier, wie auch in der digitalen Welt eine Veränderung bewirkt.
  • Kommunikation und soziale Interaktion: Ein Beispiel für die Umsetzung sind große Multitouch-Displays, die den Mitgliedern einer Gruppe eine gleichberechtigte und gleichzeitige Interaktion erlauben und dabei herkömmliche nonverbale und verbale Kommunikationsformen berücksichtigt.
  • Geschäftsprozesse und Abläufe allgemein: Arbeitsprozesse, aber auch Ausbildungsaktivitäten und Aktivitäten in der Freizeit sind oft durch bestimmte Abläufe gekennzeichnet, die zum Teil nahtlos ineinander übergehen. Ein Beispiel ist der reale Rundgang in einem Museum, der von einem virtuellen Rundgang ergänzt wird. Bei diesem Bereich der Blended Interaction geht es darum, wie bestimmte Abläufe und Prozesse in umfassendere, übergeordnete Prozesse eingebettet und durch Informationstechnologien unterstützt werden können.
  • Die physische Umgebung: Dieser Bereich des Blended Interaction Konzepts betrifft die Anpassung der Umwelt an die neuen Formen der Interaktion Mensch-Computer. Die Anpassung kann sowohl einzelne Möbelstücke, Räume, den öffentlichen Raum und sogar ganze Städte umfassen. Hierbei können beispielsweise Töne und Licht in die Interaktion miteinbezogen und die Größe der Medien an die örtlichen Gegebenheiten zum Beispiel durch berührungssensitive Böden oder große Displays angepasst werden. Interaktive Räume im weitesten Sinne sind ubiquitäre Computerumgebungen für die computergestützte Zusammenarbeit, die die vorhandenen kognitiven, physischen und sozialen Fähigkeiten von Benutzern oder Gruppen von Benutzer unterstützen.

Nicht nur die erfolgreiche Gestaltung solcher interaktiven Räume, sondern die Umsetzung des Blended Interaction Konzeptes allgemein bietet heute noch eine breite Palette von Herausforderungen, die sich auf technologische Fragen beziehen, aber auch noch unbeantworteten Forschungsfragen von MCI und ungelöste Probleme des Interaktionsdesigns betreffen.

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