Adaptive Webdesign

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Was bedeutet Adaptive Webdesign?

Der englische Begriff Adaptive Webdesign beschreibt eine Methode, mit der die Wiedergabe von Webseiten und Internetinhalten auf unterschiedliche DisplaygrĂ¶ĂŸen hin optimiert wird. GeprĂ€gt wurde der Terminus durch den Computerexperten Aaron Gustafson, der 2011 ein Buch mit dem Titel “Adaptive Web Design – Crafting Rich Experiences with Progressive Enhancement” veröffentlichte. Das englische Adjektiv “adaptive” bedeutet ĂŒbersetzt in etwa “anpassungsfĂ€hig“. Design ist in diesem Fall als technisches Design zu verstehen und nicht als Layout. Verwechselt wird Adaptive Webdesign hĂ€ufig mit Responsive Webdesign. Beide Herangehensweisen haben zwar das gleiche Ziel, nĂ€mlich bei der Darstellung von Webinhalten verschiedene EndgerĂ€te mit ihren jeweiligen BildschirmgrĂ¶ĂŸen zu berĂŒcksichtigen. Die dahinter steckenden Techniken unterscheiden sich aber grundlegend.

Wie unterscheiden sich Adaptive und Responsive Webdesign?

Adaptive Webdesign geht einen anderen Weg. Hier werden die an sich unverĂ€ndert gelassen Webinhalte nicht automatisch an DisplaygrĂ¶ĂŸen angepasst. Vielmehr werden beim Adaptive Webdesign auf dem Server unterschiedliche Versionen einer Webseite vorgehalten und stets diejenige ausgeliefert, die dem durch den Browser gemeldeten Monitorformat am nĂ€chsten kommt. Meistens sind jeweils eine Version fĂŒr Desktop, Tablet und Smartphone vorbereitet. Viele Anbieter orientieren sich dabei an iPhone und iPad, da bei MobilgerĂ€ten, welche unter Android laufen, die BildschirmgrĂ¶ĂŸen stark variieren.
SpĂ€testens mit der weiten Verbreitung von Smartphones und Tablets nach 2007 stehen Internetanbieter vor der Frage, wie sie damit umgehen, dass ihre Webseiten nicht mehr nur auf gewöhnlichen Monitoren angezeigt werden sollen, sondern hĂ€ufig auch mobil und beispielsweise im Hochformat abgerufen werden. FĂŒr normale MonitorgrĂ¶ĂŸen optimierte Webinhalte wirken im kleinen Format auf Smartphones hĂ€ufig unĂŒbersichtlich und sind unpraktisch zu bedienen. Seit etwa 2013 behelfen sich viele Online-Dienste deshalb mit Responsive Webdesign. Auf Basis von HTML 5 oder CSS3 sorgen Programmroutinen dafĂŒr, dass Webseiten auch als Mobile Content angeordnet werden können.  

 

Als das grĂ¶ĂŸte Plus von Adaptive Webdesign gilt, dass diese Methode im Bestfall zu einem optimalen Nutzungserlebnis bei der Darstellung von Webseiten fĂŒhrt. Da eben nicht wie beim Responsive Webdesign eine Webseite fĂŒr alle GerĂ€te gilt, können die Inhalte spezifisch angeordnet werden, beispielsweise MenĂŒpunkte oder Eingabefelder. Ein weiterer Vorteil ist ein verringertes Datenvolumen, welches schneller Auslieferung der mobilen Webseiten garantiert. Ein Smartphone mit kleinem Bildschirm wird etwa nur ein kleine Foto-Datei zugeschickt. Den Desktop-Displays wird jedoch das hoch aufgelöste Foto ausgeliefert. Responsive Webdesign bedient sich immer bei den gleichen Dateien und verursacht so hĂ€ufig mehr zu ĂŒbertragende Daten als eigentlich notwendig.

Aus Sicht von Programmieren ist Adaptive Webdesign eine eine einfache Lösung der Entwicklung zu Mobile First. Es ist technisch gut umsetzbar, da mit starren Rastern gearbeitet wird. Dies fĂŒhrt gleichzeitig zu großer gestalterischer Freiheit, was sich je nach Zielgruppe sehr positiv auswirken kann. Im Endeffekt bedeutet Adaptive Webdesign zudem hĂ€ufig Zeitersparnis bei der Entwicklung und damit niedrige Kosten.

Aus den Vorteilen von Adaptive Webdesign leiten sich auch die Nachteile ab. Nur auf vorher definierten DisplaygrĂ¶ĂŸen werden Webseiten optimal dargestellt. Bei Formaten, die nicht den genau definierten Standards entsprechen, kommt es hĂ€ufig zu Fehldarstellungen. Responsive Design reagiert bereits von sich aus automatisch auf jede DisplaygrĂ¶ĂŸe und deckt damit schon jetzt kĂŒnftige MobilgerĂ€te ab. Bei Adaptive Webdesign werden die Entwickler in Zukunft neue Webseiten programmieren und gestalten mĂŒssen, um auf immer hochauflösender Displays und neue Formate zu reagieren.

Die Hybrid-Lösung RESS

Um die Vorteile von Adaptive und Responsive Webdesign zu bĂŒndeln, nutzt man zunehmend RESS. RESS steht fĂŒr Responsive Webdesign with Server Side components. Hierbei wird zum einen das Layout einer Webseite meist per Responsive Webdesign ausgeliefert, aber es besteht auch gleichzeitig die Möglichkeit vonseiten des Servers, dabei Ausnahmen zu machen. Dies bezieht sich nicht nur auf Grafiken, Text, Fotos und Ă€hnliche Gestaltungsmittel, sondern auch auf Bedienmittel wie Maus oder Touch. Interessant ist RESS deshalb auch fĂŒr neue Bedienmöglichkeiten wie Sprachkommandos und neue Formate wie Augmented Reality.

Adaptive Webdesign in der Praxis

An die Stelle von Mobile First tritt bei vielen Internetdiensten bereits Mobile Only. TatsĂ€chlich scheint es so, dass gerade Privatleute auf einen klassischen Desktop-Computer oder Laptop verzichten und sich fĂŒr ihre Nutzung des Internets ganz auf MobilgerĂ€te verlassen. Google etwa trĂ€gt dem Trend bereits Rechnung mit seinem Programm fĂŒr Accelerated Mobile Pages (AMP), das im Grunde eine spezielle Form von Adaptive Webdesign ist, da es sich um eine serverseitige Lösung handelt. In diesen Bereich fallen auch bestimmte Angebote von Facebook, etwa Instant Articles fĂŒr Medienunternehmen. Aktuelle Studien zufolge haben schon mehr als 50 Prozent der grĂ¶ĂŸeren Internetdienste ihre Angebote fĂŒr MobilgerĂ€te optimiert, ĂŒberwiegend auf Basis von Responsive Webdesign. Eine genauere Analyse wird dadurch erschwert, dass durch RESS und andere Methoden viele Mischformen von Adaptive und Responsive Webdesign existieren.

Klar ist allerdings: Professionelles SEO muss sich an den Algorithmen von Google und Co. orientieren. Diese bevorzugen Inhalte, von denen dezidierte mobile Versionen vorhanden sind und die dadurch auch Nutzerzufriedendheit erzielen. Es gibt kaum einen stichhaltigen Grund, daran zu zweifeln, dass sich diese Entwicklung noch einmal in Richtung Desktop-Displays umkehrt. Unter dieser PrÀmisse ist Adaptive Webdesign eine vielversprechende Alternative zu Responsive Webdesign, welches oft nicht das hÀlt, was es theoretisch verspricht.

Tipp

Es empfiehlt sich, bei jedem Internet-Projekt genau zu prĂŒfen, mit welcher Technik das jeweilige Vorhaben bestmöglich umzusetzen ist. Denn erst die Balance zwischen fehlerfreier Darstellung von Webinhalten bei einfacher Bedienbarkeit fĂŒhrt zum Erfolg. Adaptive Webdesign ist ein Weg dafĂŒr. Der Nutzer interessiert sich im Normalfall nicht fĂŒr die Begrifflichkeit der Technik, sondern dafĂŒr, dass sie funktioniert. Hier hat Adaptive Webdesign deutliche Vorteile im Vergleich zu Responsive Webdesign, welches es- vereinfacht gesagt- allen Recht machen will und dabei schnell an seine Grenzen stĂ¶ĂŸt.


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