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Paper Prototyping

Was ist Paper Prototyping?

Das Paper Prototyping bezeichnet eine Vorgehensweise im Webdesign, deren besonderer Fokus auf der Nutzerfreundlichkeit beziehungsweise Usability liegt. Bei der Entwicklung von Software ist das Paper Prototyping eine beliebte Methode, deren besondere Eigenschaft darin besteht, dass auch händische Zeichnungen für die Entwürfe zum Einsatz kommen. Anwendung findet diese Verfahrensweise insbesondere bei der Entwicklung neuer User Interfaces sowie im Zusammenhang mit Usability Tests.

Überblick und Allgemeines

In der Produktentwicklung sowie im Webdesign etabliert sich die Verfahrensweise bereits seit den 1980er Jahren. Die Neuerung dieser Form des Prototypings liegt darin, dass IT-Produkte wie Softwarekonzepte oder neue Interfaces zunächst mit Zettel und Papier entworfen werden. Auch die ersten Tests dieser Konzepte erfolgen auf diese Weise. Es ist wahrscheinlich, dass die damaligen technischen Möglichkeiten dafür ausschlaggebend waren, dass auch große Computer-Unternehmen auf das Paper Prototyping zurückgegriffen haben. Aufwendige technische Infrastruktur oder durchdachte Software-Lösungen sind bei dieser Form des Prototypings nicht erforderlich. Es genügen tatsächlich Papier und Stift.

Geht es um die Usability, findet das Paper Prototyping noch heute Anwendung unter Webdesignern und Entwicklern. Insbesondere im User Centered Design findet diese Visualisierungsform noch immer Einsatz. Doch erfolgt die anschließende Erstellung der Design-Entwürfe zumeist auf digitale Weise.

Paper Prototyping und Computer Prototyping: Vorzüge und Nachteile

Zwischen dem Computer- oder PC-basierten und dem Paper Prototyping existieren einige entscheidende Unterschiede. Das Computer-basierte Prototyping bietet den Vorzug einer schnelleren und besseren grafischen Darstellung. Eventuelle Fehler können zudem einfach korrigiert werden. Da das Prototyping am Computer softwaregestützt erfolgt, haben Entwickler außerdem die Option verschiedene Möglichkeiten und Einstellungen dieser Software zu nutzen.

Allerdings wird dem Paper Prototyping allgemein ein stimulierender Effekt auf die Innovation zugeschrieben. Während die Prototypen-Entwicklung am Computer häufig dazu führt, dass die Freude an der Innovation abhanden kommt, ist das Paper Prototyping eine Vorgehensweise, die gleich auf mehrere Bereiche des Gehirns anregend wirkt. Der eigenen Kreativität der Entwickler wird auch dadurch Vorschub geleistet, dass es beim Paper Prototyping nicht zu Einschränkungen durch die Vorgaben der Software kommt. Vorgefertigte Templates oder Muster fehlen, sodass das Denken des Webdesigners frei bleibt.

Handelt es sich um bereits weiter vorangeschrittene Entwicklungen, die sich als Fehlentwurf herausstellen, so bietet das papierbasierte Prototyping-Verfahren den Vorteil einer leichteren Überarbeitung.

Ebenso kann es als Vorteil erachtet werden, dass bei der Papierversion keine große Anzahl von Design-Optionen vorliegt, wie es bei Software-Lösungen oft der Fall ist. Dadurch ist die Arbeit oft schneller und einfacher. Vorteilhaft ist diese Prototyping-Variante auch, wenn es um die Einbindung mehrerer Entwickler in ein Projekt geht. Bei Software-basierter Vorgehensweise kann es zu Problemen hinsichtlich der Kompatibilität oder der erforderlichen Einarbeitungszeit kommen.

Anwendungsfälle für das Paper Prototyping

Es finden sich mehrere Fälle in der Entwicklung oder im Webdesign, die das Paper Prototyping lohnenswert machen. Insbesondere, wenn Entwickler mehrere verschiedene Design-Vorstellungen haben, ist diese Verfahrensweise empfehlenswert. Software- oder Webdesigner haben nie Sicherheit darüber, ob das Design dem User-Geschmack entspricht oder ob ein User Interface komfortabel und gut bedienbar ist. Gerade im Hinblick auf Design oder Grafik eines Projekts gehen die Meinungen und Vorstellungen der Projektbeteiligten oft weit auseinander. Bei der Nutzung von Papierentwürfen können Beteiligte am schnellsten herausfinden, auf welchen der Entwürfe sie sich einigen können.

Ebenso profitiert die Entwicklung von der Nutzung von Paper Prototypen, wenn es sich um Unklarheiten bezüglich bestimmter Projektteile handelt. Im Verlauf der Verwirklichung eines Projekts tendieren die Beteiligten dazu, einfache und allgemeinverständliche Projektteile zuerst in Angriff zu nehmen. Treten Komplikationen auf, werden diese gerne zunächst zeitlich nach hinten verschoben. Dies hat zur Folge, dass sie immer komplizierter werden und sich im Nachhinein nicht mehr lösen lassen.

Papier-Prototypenbau kann diesem Problem entgegenwirken. Es ist nicht erforderlich, im Vorfeld der Realisation eines Interfaces größere Vorarbeit zu leisten, da bislang noch kein Code geschrieben worden ist. Daher können Projektbeteiligte beim Paper Prototyping gleich zu Beginn diejenige Arbeit verrichten, bezüglich der die Unsicherheit am größten ist.

Weiterhin kann Paper Prototyping hilfreich sein, wenn Entwickler in einem Projekt beabsichtigen, das Nutzerverhalten zu verändern. Geht es etwa darum, Abläufe von Programmen zu modifizieren oder zu vereinfachen, ist es nicht unwahrscheinlich, dass Nutzer diese Veränderungen nicht akzeptieren oder verstehen. Da Nutzer gerne an bisherigen Nutzungsgewohnheiten festhalten, ist bereits beim Prototyping darauf zu achten, die Programmabläufe für Nutzer so leichtverständlich wie möglich zu gestalten.

Das Gleiche gilt für neue Konzepte oder Begriffe. Diese wollen von Usern verstanden werden, weshalb es sich beim Paper Prototyping anbietet, darauf zu achten, Nutzer nicht zu sehr durch neue Technologien zu verwirren. Tauchen etwa Begriffe auf, deren Verständnis durch User nicht zu erwarten ist, können Entwickler bei der Erstellung von Paper Prototypen auf einfache Weise entsprechende Änderungen vornehmen oder das Projekt überdenken.

Realisation und Schritte des Paper Prototypings

Paper Prototyping

Copyright © Shutterstock/Bartosz Budrewicz

Gelingendes Prototyping erfordert sorgfältige Vorbereitungen und folgt meist bestimmten Mustern. Schon vor dem Beginn der Zeichnungen sind bestimmte Vorkehrungen zu treffen. Nach der eigentlichen Realisation der Prototypen gilt es, diese zu testen und beim Auftreten von Problemen oder Abweichungen zu überarbeiten.

Zunächst bietet es sich an, die Aufgaben und Tätigkeiten zu berücksichtigen, die Nutzer später ausführen sollen. Dies beinhaltet die Anzahl der Screens, die zur Erledigung der Aufgaben erforderlich sind. Geht es um das Prototyping eines Interfaces, so empfiehlt es sich, die einzelnen Bestandteile auf eigenständigen Blättern aufzuzeichnen. Hierbei ist es nicht erforderlich, sämtliche Screens vorzubereiten, die für das Projekt von Relevanz sind. Es genügt die Vorbereitung der Screens, die für Benutzer bei der Erledigung der anfallenden Aufgaben und Nutzungsszenarien sichtbar sein müssen.

In der Testphase des Paper Prototypen empfiehlt es sich, echte Nutzer einzusetzen, die dabei helfen, die Nutzerfreundlichkeit einzuschätzen und zu testen. Nutzer werden dabei mit Tätigkeiten und Aufgaben konfrontiert, die sie unter Zuhilfenahme des Prototypen erledigen sollen. Hierbei werden verschiedene Rollen verteilt. Wer als Nutzer agiert, schreibt beispielsweise Text auf ein Stück Papier, um eine Texteingabe am Computer zu simulieren.

Wer die Rolle des “Computers” übernimmt, führt den Test durch. Hierbei wird die Funktionsfähigkeit nicht erklärt, sondern Nutzer werden in der Anwendung weitgehend sich selbst überlassen. Dabei wird in Erfahrung gebracht, welche Teile des Programms verständlich sind und welche überarbeitet werden sollen. Das Produkt beziehungsweise sein Prototyp werden also nicht vorgeführt. Vielmehr werden User gefragt, wie gut das bisherige Interface funktioniert.

Im Rahmen des Tests werden etwaige Probleme offengelegt, wobei die kleineren Probleme unmittelbar gelöst werden können. Es ist empfehlenswert, die sich ergebenden Probleme – unmittelbar nach dem Test – aufzulisten. Im Anschluss ist ein erneuter Testdurchgang lohnenswert. Nach drei bis vier Test-Prozeduren ist die Anzahl der Probleme deutlich reduziert. Damit dient das Paper Prototyping einer schrittweisen Optimierung eines Produkts oder einer Webseite bereits im Vorfeld seiner eigentlichen Entwicklung.

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