SW QualitÀtsmanagement

SW QualitÀtsmanagement

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Was ist SW QualitÀtsmanagement?

Das Software QualitĂ€tsmanagement, kurz SW QualitĂ€tsmanagement, stellt durch einen zusĂ€tzlichen PrĂŒfschritt eine Schnittstelle zwischen Softwareentwicklung und Auslieferung des fertigen Programmes dar. Um die QualitĂ€t regelmĂ€ĂŸig und immer wieder zu ĂŒberprĂŒfen, wird in der Regel eine entwicklungsbegleitende QualitĂ€tslenkung genutzt, die sich nach flexiblen PlĂ€nen richtet. Die finale Abnahme ist nicht automatisch das Ende der Arbeit fĂŒr das SW QualitĂ€tsmanagement. NachtrĂ€glicher Support und Fehlerbehebung werden ebenfalls kontrolliert.

Nutzen und Ziel von SW QualitÀtsmanagement

Das oberste Ziel im SW QualitĂ€tsmanagement ist es, die Software auf ein QualitĂ€tslevel zu heben, das die Vergabe der notwendigen QualitĂ€tssiegel ermöglicht. Soll die Software beispielsweise in Deutschland zum Einsatz kommen, muss sie den Datenschutzanforderungen Deutschlands, Europas und den TÜV-Anforderungen fĂŒr funktionelle Software gerecht werden. Nach ISO/IEC 9126 gelten fĂŒr alle neu veröffentlichten oder fĂŒr Kunden zum Einsatz freigegebenen Softwaresysteme die GrundsĂ€tze der FunktionalitĂ€t, ZuverlĂ€ssigkeit, Benutzbarkeit, Effizienz, Änderbarkeit und Übertragbarkeit. Diese QualitĂ€tsmerkmale sind leicht zu definieren, aber schwer umzusetzen und nehmen in der Praxis zahlreiche Arbeitswochen ein, in denen die einzelnen Punkte immer wieder angeglichen werden.

Die QualitĂ€tsgrundsĂ€tze variieren, je nachdem um welche Art von Software es sich handelt und in welcher Branche sie zum Einsatz kommt. Besonders hoch sind die Anforderungen an alle Systeme, die mit steuerlich relevanten Daten oder Finanztransaktionen arbeiten. Allerdings hat die EinfĂŒhrung der EuropĂ€ischen Datenschutz-Grundverordnung im Mai 2018 die Standards fĂŒr alle Unternehmen die mit Daten arbeiten, erneut angehoben. Sobald Kundendaten in irgendeiner Form erfasst, genutzt und verwahrt werden, steht die Sicherheit an erster Stelle.

Über das SW QualitĂ€tsmanagement werden diese Anforderungen so lange ĂŒberprĂŒft, bis sie erfĂŒllt sind. Erst dann erfolgt eine Freigabe durch die zustĂ€ndigen Teams.

Mangelhaftes oder fehlendes SW QualitÀtsmanagement

Findet kein oder nur ein ungenĂŒgendes SW QualitĂ€tsmanagement statt, kann die Software nicht fĂŒr den Markt freigegeben werden. Schließt sich das Zeitfenster, in dem ein Unternehmen die beauftragte Software benötigt, stocken auch alle anderen ZeitablĂ€ufe und es entsteht ein finanzieller Nachteil. Ein mangelhaftes QualitĂ€tsmanagement zeigt sich jedoch hĂ€ufig auch in der Notwendigkeit zur Nachbesserung einer Software.

Der Schaden fĂŒr das Unternehmen, welches die Software geplant und programmiert hat, entsteht nicht nur bei Verzögerung oder Fristablauf. Nimmt der Kunde die Software in Betrieb und verliert durch Fehler im Code oder den beauftragten Funktionen eigene Daten, ist der Hersteller in der Pflicht, sein Produkt zu ĂŒberarbeiten. Schwere Fehler, die Prozesse stören, oder, bei Produktions- und Funktionssoftware, SchĂ€den an den Maschinen oder Produkten des Kunden verursachen, können zu Klagen fĂŒhren.

Unternehmen befinden sich daher erst dann auf der rechtlich sicheren Seite, wenn sie ein SW QualitĂ€tsmanagement identifiziert, geschult und mit der stĂ€ndigen PrĂŒfung beauftragt haben und die durch das SW QualitĂ€tsmanagementgemeldeten Schwachstellen sofort schließen. Die Endabnahme sollte alle Bereiche der Kontrollen vereinen und neben den grundlegenden und beauftragten Funktionen auch die GrundsĂ€tze umfassen. Nur dann erhalten Hersteller, Vertrieb und Kunde ein sicheres Softwareprodukt.

Strukturierung des QualitÀtsmanagements

Die Prozesse, in denen das SW QualitĂ€tsmanagement durchgefĂŒhrt wird, teilen sich, je nach Methodik, meist in verschiedene Bereiche ein. QualitĂ€tsplanung, QualitĂ€tslenkung, QualitĂ€tsprĂŒfung und das Management der QualitĂ€tskomponenten finden nacheinander statt. In einem ersten Schritt wird nach der Identifikation der QualitĂ€tsanforderungen die QualitĂ€tsplanung beschlossen. Die Planung geht in die QualitĂ€tslenkung, also dem Einhalten eines Zeitplanes entlang der beschlossenen Stationen, ĂŒber. Nach dem Beenden eines jeden Zwischenschrittes und des gesamten Arbeitsprozesses steht die QualitĂ€tsprĂŒfung.

All diese Schritte zĂ€hlen zum QualitĂ€tsmanagement, das entweder fĂŒr ein bestimmtes Projekt eingerichtet, oder von Anfang an im Unternehmen etabliert wird. Die Aufgaben des QualitĂ€tsmanagements sind vielfĂ€ltig und verbinden Werbe- und Öffentlichkeitsmaßnahmen, Personal- und Produktaufstellung miteinander. Dabei geht es nicht nur darum, eine regelmĂ€ĂŸige QualitĂ€tsprĂŒfung an Waren vorzunehmen, sondern die Prozesse innerhalb des gesamten Unternehmens auf Effizienz und Wirtschaftlichkeit zu ĂŒberprĂŒfen. Auch moderne Anforderungen wie eine soziale oder ökologische Nachhaltigkeit werden durch das QualitĂ€tsmanagement geprĂŒft und gelenkt.

Je nach Art und Branche eines Unternehmens können im QualitĂ€tsmanagement ganz verschiedene Ergebnisse fokussiert werden. WĂ€hrend einige Unternehmen auf besonders hochwertige Produkte setzen, bewerben andere Unternehmen ihren sozialen oder globalen Impact und verkaufen sich darĂŒber. Das QualitĂ€tsmanagement nimmt die bestehenden und gewĂŒnschten Prozesse in seine Kontrollroutine auf und untersucht, wie der Soll-Zustand erreicht werden kann. Im Zusammenhang mit dem SW QualitĂ€tsmanagement liegt der Fokus des Managements darauf, das Produkt auf den Markt, beziehungsweise an den Kunden, zu bringen.

QualitÀtsplanung als erster Schritt

Die QualitĂ€tsplanung ist als eine Art Brainstorming zu den gewĂŒnschten AblĂ€ufen im Entwicklungsprozess zu verstehen. Das QualitĂ€tsmanagement plant gemeinsam mit Entwicklern und Kunden, oder Entwicklern und eigenem Unternehmen, was in Auftrag gegeben wurde und wie es umgesetzt wurde. Der Zeitplan selbst ist dabei erst der zweite Schritt. Zuerst muss in einem Produktlenkungsplan festgehalten werden, wie gelenkt und kontrolliert werden soll. Denn das QualitĂ€tsmanagement handelt nicht selbststĂ€ndig sondern immer im Auftrag der Entwickler. Statt eines externen PrĂŒfers schreiten die internen Kontrolleure ein, wenn die Prozesse nicht laufen wie geplant.

Der QualitĂ€tsplan beinhaltet die gewĂŒnschten PrĂŒfinstrumente, PrĂŒfungsintervalle, Möglichkeiten zur Fehlerfindung und den Gegenstand der Entwicklung selbst. Ziel dieser umfassenden Planung ist es, noch vor Beginn der Arbeit an einer Software ein klar definiertes Konzept an der Hand zu haben, das keine Fragen offen lĂ€sst, welcher Mitarbeiter fĂŒr welchen Punkt und die Erreichung welcher Etappe zustĂ€ndig ist. Die QualitĂ€tsplanung ersetzt jedoch nicht die Produktionsplanung.

Zeitplan und QualitÀtslenkung

Der Prozess einer Softwareentwicklung verlĂ€uft entlang eines festgelegten Zeitplanes. Um die QualitĂ€t von Anfang an sinnvoll zu kontrollieren, muss dem zuvor festgelegten und gemeinsam beschlossenen QualitĂ€tsplan gefolgt werden. Dazu mĂŒssen zuerst die QualitĂ€tsanforderungen an die Software mit den Entwicklungsprozessen abgeglichen werden. Das SW QualitĂ€tsmanagement ist der Ort, bzw. das Team, in dem die Prozesse erstellt und gestreamlined werden.

Um in die Phase der QualitÀtslenkung einzutreten, werden aus dem QualitÀtsplan die einzelnen Anforderungspunkte in einen Zeitstrahl gebracht, an dem entlang die Prozesse gelenkt werden sollen.

Beispiel:

Firma X entwickelt ein Buchhaltungsprogramm, das in allen Filialen eines Franchises eingesetzt werden soll. Dem Kunden ist die Sicherheit der Datenhaltung besonders wichtig, da das Programm weltweit im Einsatz sein wird und die höchsten Datenschutzbestimmungen nach DSGVO u.a. erfĂŒllen muss. Der Nutzer soll bei der Installation entscheiden können, auf welcher von mindestens drei Sprachen die Software lĂ€uft. Die Buchhaltungs-Funktionen erstrecken sich von der automatischen Rechnungserfassung ĂŒber mobile Scanner bis zur Datenbank fĂŒr die Kontaktdetails der Kunden. Die Rechtevergabe muss pro Unterkategorie einzeln funktionieren. Das UI soll klassisch modern wirken.

Im Beispiel lauten die zu einfachen Zwischenziele der QualitÀtsmerkmale: 1. Hohe Sicherheit, 2. Rechtevergabe- und Zugriffsmanagement, 3. An Sprachen anpassbares modernes UI, 4. Mobile Rechnungserfassung (und andere Funktionen), 5. Kontaktdatenbank.

Die 5 QualitĂ€tsmerkmale können im Verlauf der Softwareentwicklung immer wieder einzeln geprĂŒft werden. Im Endprodukt nach fĂŒnf Zwischenetappen mĂŒssen alle Merkmale vorhanden sein. Sie stellen die individuellen Anforderungen an den Auftrag dar, welche zusĂ€tzlich zu den rechtlichen Vorgaben zu prĂŒfen sind.

In der QualitĂ€tslenkung wird immer wieder die Frage gestellt: Liegt das Projekt im Zeitplan und entwickelt es sich in der festgelegten Zeitspanne weiter? Wenn ja, funktioniert die Lenkung und das QualitĂ€tsmanagement muss lediglich die ĂŒblichen Fehlerquellen und Prozesse ĂŒberwachen. Wenn nicht, sollte bereits hier korrigierend eingegriffen werden, bis das Projekt wieder im Plan liegt.

QualitĂ€tsprĂŒfung und Abnahme

Die QualitĂ€tsprĂŒfung wird immer dann benötigt, wenn eine Zwischenetappe erreicht oder die Arbeit an dem Softwareprodukt abgeschlossen ist. Im SW QualitĂ€tsmanagementÂ ĂŒbernimmt die QualitĂ€tsprĂŒfung eine wichtige Rolle. Fehler, die hier nicht erkannt werden, werden an externe PrĂŒfer mitĂŒbermittelt, oder gehen dem Kunden in Form des Produktes zu. Solange die Software sich noch im Entwicklerunternehmen befindet, also nicht abgenommen wurde, können kleine und große Funktionsstörungen problemlos behoben werden. VerlĂ€sst das fertige Produkt das Unternehmen und ist fehlerhaft, wird es möglicherweise reklamiert.

Vor allem im Bereich der SicherheitsgefĂ€hrdung, beispielsweise in Bezug auf den Datenschutz, sollten mehrere Kontrollpunkte eingerichtet werden, um Fehlerquellen zu finden, bevor sie sich ĂŒber die gesamte Software ausgebreitet haben. NatĂŒrlich ist es nicht möglich, jede Möglichkeit einer Fehlbedienung in Betracht zu ziehen. Die Wahrscheinlichkeit, gravierende Probleme zu finden, steigt jedoch mit jedem PrĂŒfungsdurchgang.

Am Ende der finalen QualitĂ€tsprĂŒfung steht die Abnahme. Die Software kann dann einer Testgruppe zugefĂŒhrt, oder dem Kunden ĂŒbergeben werden. Testgruppen erzielen dann die besten verwertbaren Ergebnisse, wenn es sich bei der Anwendung um eine Software handelt, die durch den Kunden in den Markt eingefĂŒhrt und nicht nur intern verwendet werden soll. Wenn also auch Laienanwender sowohl UI als auch Funktion verstehen sollen, hilft es, der Zielgruppe eine Alpha- oder Beta-Version des Programmes vorzusetzen, um die Reaktionen darauf zu prĂŒfen und Kritik in die Entwicklung einfließen zu lassen.

Modelle der QualitÀtssicherung

Das QualitĂ€tsmanagement kennt zahlreiche Modelle, nach deren Methodik die QualitĂ€t eines Projektes oder Unternehmens geprĂŒft werden kann. Im SW QualitĂ€tsmanagement arbeiten viele Unternehmen gern mit der testgetriebenen Entwicklung oder einem inkrementellen und schließlich iterativen Vorgehen.

Bei der inkrementellen Entwicklung steht das Befolgen des Entwicklungsplanes im Vordergrund, an dem sich die QualitĂ€tsplanung verfolgen lĂ€sst. Die Versionen der Software werden nach Zeitplan fertiggestellt und geprĂŒft. An die Abnahme kann dann die iterative Entwicklung angeschlossen werden. Die Methoden lassen sich ebenfalls kombinieren statt nacheinander abwickeln. Als iterativ gilt die Entwicklung dann, wenn aus den vorhergehenden Reaktionen und Fehlern gelernt und verbessert wird. LangjĂ€hrig betriebene Softwares erhalten oft nach vielen Jahren noch Patches oder Updates, wenn sich ĂŒber die Nutzung und den Support neue Problemstellungen ergeben haben, die behoben werden können.

Ein weiteres beliebtes Planungsinstrument ist das Spiralmodell. Es eignet sich fĂŒr Software besonders gut, weil jede Phase des Entwurfes, Programmes und der Entwicklungsschritte immer wieder neu verifiziert wird. Die Zyklen wiederholen sich in der Spirale so oft, bis die Abnahme im höchsten Zyklus erreicht ist.

Softwaretests im SW QualitÀtsmanagement

Im Gegensatz zu einem ganz allgemeinen QualitĂ€tsmanagement wird im SW QualitĂ€tsmanagement gern zusĂ€tzlich mit Testreihen gearbeitet. WĂ€hrend das gĂ€ngige QualitĂ€tsmanagement vor allem Prozesse beobachtet, mitloggt und wieder in die ideale Planungsphase lenkt, greift der Softwaretest immer wieder praktisch und konstruktiv, gelegentlich auch destruktiv, in die Entwicklung ein. Die Tests werden durch Entwickler, aber auch Designer und Kontrollgruppen durchgefĂŒhrt. In der Phase der dynamischen Tests können verschiedene Features noch verstĂ€rkt oder entfernt, oder das UI angepasst werden.

Diese zusĂ€tzliche QualitĂ€tssicherungsebene sorgt jedoch auch dafĂŒr, dass das Produkt selbst sich immer wieder stark verĂ€ndert. So kann es sinnvoll sein, QualitĂ€tssicherungsprozesse nach jedem Versionsabschnitt neu festzulegen und die Planung auch zeitlich an die neuen Ergebnisse anzupassen.

An die EinfĂŒhrung des Produktes schließt sich in der Softwareentwicklung stets der Support an. Hier können Endkunden und Anwender Probleme schildern, die dann wiederum im SW QualitĂ€tsmanagement verwaltet und in eine neue Version einbezogen werden.


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